Calumpit

Calumpit ist eine Stadtgemeinde in der philippinischen Provinz Bulacan. Im Jahre 2000 zählte sie 82.113 Einwohner und 16.167 Haushalte. Im Westen grenzt Calumpit an die Provinz Pampanga.

In der Stadtgemeinde befindet sich auch die älteste Kirche von Bulacan. Die St. John the Baptist Church wurde 1572 erbaut. Der Augustiner Diego Vivar-Ordonez beaufsichtigte den Bau der Kirche. Innerhalb der Kirche befindet sich ein Tunnel, der einer Legende nach von Priestern während des spanischen Regimes verwendet wurde, um Gold, Statuen und Schmucksachen vor den Schatzräubern zu verstecken.


Baranggays

Calumpit ist in folgende 29 Baranggays aufgeteilt:

  • Balite
  • Balungao
  • Buguion
  • Bulusan
  • Calizon
  • Calumpang
  • Caniogan
  • Corazon
  • Frances
  • Gatbuca
  • Gugo
  • Iba Este
  • Iba O’Este
  • Longos
  • Meysulao
  • Meyto
  • Palimbang
  • Panducot
  • Pio Cruzcosa
  • Poblacion
  • Pungo
  • San Jose
  • San Marcos
  • San Miguel
  • Santa Lucia
  • Santo Niño
  • Sapang Bayan
  • Sergio Bayan
  • Sucol

Azazel

Azazel (hebräisch, auch Asasel, Azaël, Asael) gilt als Wüstendämon (Dämon) und erster Bannerträger der Höllenarmeen. Er tritt in Bockgestalt auf und ist der Anführer der gefallenen Engel. Auf ihn werden beim jüdischen Sühnenfest die Sünden der Welt aufgeladen.

Azazel lehrte die Menschen den Gebrauch von Waffen, die Herstellung von Schmucksachen, die Kunst des Schminkens und die Fertigung von Spiegeln. Er verriet somit die himmlischen Geheimnisse, wofür er von dem Engel Raphael gebunden, gesteinigt und in die Finsternis geworfen wurde ( „Mache in der Dudael-Wüste eine Grube, und wirf ihn hinein. Lege scharfe, spitze Steine unter ihn und bedecke ihn mit Finsternis. Laß ihn dort für immer wohnen und bedecke sein Antlitz, damit er kein Licht schaue. Am Tag des Endgerichts soll er in den Feuerpfuhl geworfen werden…war doch die ganze Erde durch die von Azazel gelehrten Werke verdorben worden…“, Aus dem apokryphischen Buch 1. Henoch 10, 4). Es lassen sich u.a. Parallelen zu Prometheus ziehen, ob eine Verbindung besteht, ist allerdings unklar.

Er gilt als Dämon zweiten Ranges, wird aber auch oft mit Samael gleichgesetzt. Am 10. des 7. Monats begehen die Juden ein Sühnefest, in dessen Verlauf zwei Böcke herbeigeführt werden. Es wurde ausgelost, einer für den Herrn, der geschlachtet wurde, zum Zeichen der Sühne, der andere für Azazel. Das Heiligtum, in welches das Blut des Geschlachteten getragen wurde, wird jedes Jahr zum Versöhnungstag gereinigt. Dem Bock Azazels wurden vom Hohepriester die gesamten Sünden des versammelten Volkes auferlegt, anschließend wurde er in die Wüste, zu Azazel, geschickt ( „…und lasse den Bock für Asasel in der Wüste“ 3. Mose 16,10). Ein Bericht dieser Zeremonie findet sich im 3. Buch Mose. Dies ist allerdings auch die einzige Bezugnahme der (kanonischen) Bibel auf Azazel. Wer oder was Azazel ist, wird an dieser Stelle nicht erklärt, so dass obige Personifizierung und Charakterisierung außerbiblisch traditionell begründet ist. Azazel hat nach dieser Interpretation die Rolle des „Sündenbocks“ inne, auch gilt er somit als Wüstendämon. Manche Ausleger interpretieren die Zeremonie auch dahingehend, dass dort symbolisch die Sünde zum Teufel (zu Azazel) gejagt wird.

Asael ist der Name eines der drei Brüder, die in der Geschichte treue Gefolgsleute König Davids waren, die Söhne von Zeruja. Asael wird erwähnt, als er Abner ben Ner verfolgt hat und von diesem mit dem Schaft seines Spießes getötet wurde.


Siehe auch

  • Lilith


Weblinks

Text von Wilhelm Busch zum Thema Azazel und Sünde

Sonnenheiligtum des Niuserre

Das Sonnenheiligtum von Niuserre ist ein ägyptisches Bauwerk aus der Zeit der fünften Dynastie erbaut unter dem König (Pharao) Niuserre der von 2445 bis um 2414 v. Chr. regierte.


Forschungsgeschichte

Das Sonnenheiligtum des Niuserre wurde in der Description de l’Egypte zum ersten Mal erwähnt, es war jedoch an der Stelle des Sonnenheiligtums eine Pyramide eingetragen.

1838 versuchte Perring die vermeintliche Pyramide freizulegen, fand aber nur Reste des Granitsockels, es wurden aber auch Reliefs mit Sedfestdarstellungen gefunden, die der Auslöser für die umfassende Ausgrabung des Sonnenheiligtums waren.
1842 wurde durch die Mitglieder der preußischen Expedition eine exakte Vermessung vorgenommen.

1882 hat Auguste Marriette vielleicht eine Versuchsgrabung durchgeführt, doch davon wurde nie etwas publiziert, diese Annahme beruht auf der Aussage eines ägyptischen Vorarbeiters.
1882/83 fand Villiers Stuart zehn Alabasterbecken und den Alabasteralta.
1898-1901 gruben Ludwig Borchardt und Heinrich Schäfer das Sonnenheiligtum mit finanzieller Unterstützung von Friedrich Wilhelm Freiherr von Bissing vollständig aus.


Abu Gurob

Das Sonnenheiligtum des Niuserre mit dem Namen šspw-jb-Re („Wonne des Re“) liegt ca. 1200 m nordöstlich von den Pyramiden von Abusir. Abusir spiegelt auch den Mythos von der Ermordung Osiris wider, dessen Leib in Stücke geschnitten wurde, die an unterschiedlichen Plätzen begraben wurden. Der Name kommt vom griechischen Busiris und das wiederum von Pr Wsjr. Das Sonnenheiligtum liegt auf einem natürlichen Hügel, der mit Hilfe einer künstlichen Aufschüttung zur Baufläche umgestaltet wurde. Dabei wurden ältere Ziegelgebäude, vielleicht Mastabas, die sich dort befanden, eingebettet. Es wurden die Reste von Ziegelmauern an einigen Stellen unter dem Hofpflaster gefunden.


Sonnenheiligtum

Die Tempel des Sonnengottes unterscheiden sich sehr von denen anderer Götter.
Während bei den anderen Göttern der Gedanke eines Hauses aufkommt, in dem der Gott gegenwärtig ist, haben die Sonnenheiligtümer die Gestalt eines offenen Hofes, in dessen Mitte sich ein Altar und ein Kultobjekt befinden. Sie tragen also den Charakter einer Kultstätte. Sie fügen sich damit in den Begriff des Tempels ein, haben aber dennoch ihren eigenen Charakter. Der Kult der Sonne nahm in der ägyptischen Tradition eine zentrale Rolle ein. Dennoch ist die Kenntnis von Heiligtümern der Sonne nur punktuell. Es sind acht Sonnenheiligtümer schriftlich bekannt, aber nur zwei wurden bis jetzt ausgegraben. Außer dem Sonnenheiligtum des Niuserre ist noch das Sonnenheiligtum des Userkaf bekannt. Architektonisch sind die Vorbilder der Sonnenheiligtümer des Alten Reiches die königlichen Pyramidenbezirke. Die Sonnenheiligtümer bestehen, wie die Pyramidenbezirke, aus dem dreiteiligen Konzept: Taltempel, Aufweg und dem oberen Heiligtum am Rande des Wüstenplateaus. Im Heiligtum erhebt sich, der Pyramide entsprechend, ein Obelisk.

Kaiser geht davon aus, dass der Tempel von Heliopolis das Vorbild der Sonnenheiligtümer war. Neben den architektonischen Merkmalen gibt es auch noch kultische Vorbilder aus den Pyramidenbezirken. Darunter zählt z. B. die Sedfestdarstellung, dich sich in der südlichen Hälfte der Niuserre Sonnenheiligtums befindet; sie sind seit Djoser im Darstellungsprogramm etabliert. Seit Djedefre trägt der regierende König das Epitheton „Sa Ra“ in seiner Titulatur. Dies wird in direkten Zusammenhang mit den Sonnenheiligtümern des Alten Reiches gebracht. Einige glauben, dass der Epitheton eine besondere Betonung der göttlichen Herkunft ist. Andere wiederum glauben, dass es einen Verlust der göttlichen Macht des Königs bedeutet, da der König vorher als Inkarnation des Re galt. Das Sonnenheiligtum kann also auch als Kompensation für diesen Rangverlust gesehen werden. Mit Ende der 5. Dynastie nach König Djedkare-Asesi wurde kein Sonnenheiligtum mehr angelegt. Erst ab der frühen 18. Dynastie begegnen einem wieder Sonnenkultstätten.


Taltempel

Der Taltempel war kaum mehr, als ein monumentales Tor zum Aufweg. Der Taltempel lag innerhalb einer dicken Umfassungsmauer. Borchardt hielt sie für den Wall einer Stadt, die den Tempel umgeben haben könnte. Die „Stadt“ wurde aber nicht näher untersucht, deshalb bleibt es nur Spekulation. Aufgrund des Mangels und durch zerstörte Überreste, ließ sich der Grundriss des Taltempels nur zum Teil vollständig rekonstruieren. Der Taltempel ist ein Kalksteingebäude von 4 m Höhe. Es ist von drei Seiten begehbar. Der Eingang ist ein Portikus aus vier granitenen Palmsäulen mit einer pylonartigen Fassade. Die Fassade bestand aus weißer Kalksteinverkleidung. Die beiden seitlichen Eingänge sind ebenfalls Portiken, aber jeweils nur mit zwei Palmsäulen. Die seitlichen Wege verlaufen im Knickachsenschema und sie sind achsial ausgerichtet. Alle drei Eingänge führen in einen schmalen Gang, der direkt zum Aufweg führt. Der Taltempel ist auf einem kleinen Sockel errichtet worden, von dem noch Reste erhalten sind. Im Taltempel wurden zwei Inschriften gefunden. Beide bestanden aus einem Festkalender und dazugehöriger Opferlisten. Der Taltempel ist nicht genordet, sondern der Stadt angepasst.


Aufweg

Der Aufweg konnte noch anhand von sichtbaren Resten in seiner gesamten Länge nachvollzogen werden. Der Aufweg bestand aus einer geböschten Rampe und war mit dicken, weißen Platten gepflastert. Der Aufweg ist ca. 100 m lang. Der Aufweg überbrückt zwischen Taltempel im Fruchtland und dem Heiligtum auf dem Plateau einen Höhenunterschied von ca. 16 m.
Dekorationen sind nicht erhalten.


Eingangshalle

Die Steigung des Aufwegs führte an die Eingangshalle.
Die Eingangshalle war, wie der Taltempel auch, nicht mehr als ein monumentaler Torbau.
Diese L-förmige Eingangshalle wies ein Vestibül und einen dahinter liegenden Hauptraum auf.
Der Hauptraum war quer zur Achse verlaufend. Diese Längshalle erinnert an eine Längshalle in Form des pr-wr.w wie sie in den Pyramidentempeln zu finden ist. Aus diesem querliegenden Hauptraum gingen drei Durchgänge zu allen Bereichen des Heiligtums ab. Die Innenwände der Einganshalle waren mit Granit verkleidet. In den Räumen der Eingangshalle wurden Blöcke mit Königsdarstellungen gefunden.


Östlicher Gang

Der Gang führte jeweils in die Süd- und Nordhälfte des Heiligtums. Der Gang war wahrscheinlich gedeckt und dekoriert. Über die Dekoration ist nichts bekannt.


Nördlicher Gang

Auch dieser Gang war wahrscheinlich gedeckt. Dieser nördliche Gang war bei der Auffindung so schlecht erhalten, dass der Verlauf der Mauern nur anhand von Sandspuren und roten Markierungslinien nachzuvollziehen war. Am westlichen Ende des Gangs befand sich ein 0, 75 m breiter Nebeneingang mit einem kleinen Vorraum. Er wurde entweder für die Lagerung/Anlieferung von Opfergaben gebraucht, oder es war ein Pförtnerzimmer, das ins Freie führte. Nahe dem östlichen Ende des Gangs führte eine kleine Treppe auf das Dach der umliegenden Räume. Der Gang war dekoriert, aber noch nicht fertig gestellt. Die Darstellungen zeigen Tempelgegenstände und Opfergaben. Man kann z. B. Tische sehen, auf denen goldene und silberne Schmucksachen liegen.
Es wurde eine Fensterecke gefunden, die bezeugt, dass der Gang durch das Tageslicht beleuchtet war.


Magazine

Es waren wahrscheinlich zehn Magazine. Sie wurden offenbar nicht fertig gestellt. Auch von ihnen wurden nur noch Reste gefunden. Die Bodenplatten der Magazine waren noch nicht fertig geglättet. Die Magazine dienten wohl zur Lagerung von Opfergaben. Es ist keine Dekoration bekannt.


Südlicher Gang (Große Festdarstellung)

Der südliche Gang verlief unmittelbar an der äußeren Umfassungsmauer von der Süd-Ost-Ecke nach Westen. Er führte in den Vorraum des Obelisken; zu der „Weltenkammer“. Es war ein hoher Gang, von 4,50 m Höhe. Der Gang war wahrscheinlich gedeckt, da man in ihm Fragmente von gelben Sternen auf blauem Grund fand. Dies weist auf die klassische Tempeldeckenverzierung hin.
Der Gang wurde wahrscheinlich durch mitgeführte Fackeln und nicht durch das Tageslicht beleuchtet. Es handelt sich hier um eine kultische Lokalität, anders als im nördlichen Gang, in dem es einfach praktischer war, durch das Tageslicht beleuchtet zu werden. Der südliche Gang hat sich zum Obelisken hin verjüngt. Er war dekoriert mit Reliefs der „Großen Festdarstellung“.
Die Bilder und Beischriften beschäftigten sich mit den Festlichkeiten beim Regierungsjubiläum dem Sedfest und der Tempelgründung.


Südliche Kapelle (Kleine Festdarstellung)

Kurz vor der Vorkammer des Obelisken existierte eine kleine südliche Kapelle. Sie war der besterhaltenste Raum im Sonnenheiligtum. Zu dieser Kapelle führte noch ein zweiter Zugang auf der Hofseite. Dieser Zugang wurde von zwei undekorierten Stelen flankiert. Vor den Stelen standen zwei runde Kalksteinbecken. Diese Kalksteinbecken dienten den Priestern wohl für die rituelle Waschung, wenn sie aufgrund von kultischen Handlungen vom Altarhof ins Innere gingen.
Die Tür vom Hof zur Kapelle war mit Granit verkleidet und zweiflügelig. Es standen noch Mauern mit original Reliefs und Darstellungen bei der Ausgrabung. Diese Darstellungen waren, wie im südlichen Gang, Szenen des königlichen Sedfestes und der Tempelgründung. Diese Szenen werden als „Kleine Festdarstellung“ bezeichnet. Die Funktion dieses Raumes ist bis heute nicht eindeutig geklärt. Es könnte sich um ein Ankleidezimmer des Königs während des Sedfestes gehandelt haben. Andererseits wird davon ausgegangen, dass im Sonnenheiligtum des Niuserre niemals ein reales Sedfest stattgefunden hat. Die Kapelle kann auch als eine „Abkürzung“ zum Allerheiligsten (Obelisk) gesehen werden. Der Obelisk war ja ansonsten nur durch den südlichen Gang erreichbar. Also ist dieser Raum ein Vestibül zwischen dem Altarhof und dem Obelisken.

Der südliche Gang und auch die südliche Kapelle bilden eine vorgeschaltete Räumlichkeit vor der Weltkammer und dem Obelisk, und beide weisen die gleiche Dekoration auf.


Weltkammer

Der südliche Gang führte durch eine schmale Tür in einen kleinen Nord-Süd-orientierten Raum; die Weltkammer. Aus diesem Raum gelangte man durch eine weitere Tür in den Obeliskenunterbau. Die Weltkammer war reich dekoriert und es waren sogar bei Auffindung noch alle Farben erhalten. Bei der Dekoration handelt es sich um die „Jahreszeitenreliefs“.
Sie wurden 1891-1901 von Borchardt und Schäfer gefunden und nach Berlin gebracht, wo sie sich im ägyptischen Museum befinden. Allerdings nur noch zum Teil, denn die bis zum 2. Weltkrieg unveröffentlichten Stücke wurden Opfer des Krieges und sind zerstört.
Aufgrund der Grabungsunterlagen und der Blaupausen dieser Stücke konnte in den 70er Jahren eine Rekonstruktion dieser Reliefs vorgenommen werden. Alle vier Wände waren dekoriert, wobei die Längswände den Hauptteil einnahmen. Die Reliefs zeigen die Vorgänge in der Natur während der Ache.t und der šmw Jahreszeiten. Es wird die Auswirkung der Sonne auf die Natur gezeigt.
Es ist unter anderem darstellt:

  • Paarung und Wurf von Tieren
  • Nord- und Südwanderung der Fische im Nil
  • Die Ankunft der Zugvögel im Delta
  • Die Ernte von Flachs, Honig und Feigen

Es sind also Pflanzen, Tiere und Menschen in allen möglichen Situationen dargestellt.
Die Reliefs sind in ihrer Darstellung ganz dem irdischen Leben gewidmet.

Die Darstellungen sind eine der ältesten Illustrationen von der Vorstellung der schöpferischen Kraft des Sonnengottes. Die Reliefs sind sehr präzise wiedergegeben und stehen exakt richtig in der jeweiligen Jahreszeit. Wie die ewig wiederkehrende Sonne sollte sich auch die Schöpfung kontinuierlich wiederholen. Die Darstellungen lassen sich auch nicht als Wiedergabe eines einmaligen Schöpfungsaktes aufzufassen, sondern stehen, verdeutlicht durch die Jahreszeiten, für die zyklische Wiederholung des göttlichen Handelns.

Man fragt sich jetzt vielleicht, warum es nur zwei Jahreszeiten sind und wo sich die dritte befindet? Dazu gibt es mehrere verschiedene Thesen. Einige Forscher gehen davon aus, dass die pr.t Jahreszeit verloren gegangen ist, oder man sie nicht gefunden hat. Andere glauben, dass ursprünglich nur zwei Jahreszeiten geplant waren, da für die dritte gar kein Platz gewesen sei, um sie symmetrisch in der Kammer darzustellen. Die Jahreszeiten waren eng mit dem Wirken des Sonnengottes verbunden. Dem Sonnengott verdanken die Menschen, Tiere und Pflanzen ihr Leben und ihre Eigenschaften. Als Vorkammer zum Obelisken bot die Weltkammer als einziger Raum einen direkten Zugang zum Allerheiligsten. Die Weltkammer sollte wahrscheinlich direkten Bezug zum Obelisken nehmen. Sie kann also zum Preisen und Huldigen des Sonnengottes gedient haben, sowie zur Wiedergabe der Schöpferkraft des Sonnengottes.


Obelisk

Der Unterbau des Obelisken war aus großen Kalksteinblöcken errichtet worden und auf Sockelhöhe mit dunkel geböschten Granitplatten verkleidet. Der Sockel war 20 m hoch. In der Mitte des Unterbaues stand ein granitener Obelisk, von dem nichts mehr erhalten ist. Der Obelisk soll 37 m hoch gewesen sein. Man wusste, dass es sich um einen Obelisken handeln muss, nachdem man auf einigen Blöcken hinter dem Namen des Sonnenheiligtums šspw-jb-Ra das Determinativ für Obelisk gefunden hat. Der innere Gang im Obeliskenunterbau war schmaler als der südliche Gang.
Hinter jeder Wendung verjüngte sich der Gang, wie dies auch schon im südlichen Gang der Fall war. Das Verringern der Raumhöhe und Raumbreite erzielte eine Dramatik, die sich beim Durchlaufen der dunklen immer schmaler werdenden Räume entwickelt. Man muss sich den Moment vorstellen, wenn eine Person aus den dunklen, immer enger werdenden Gängen auf die lichtüberflutete Obeliskenplattform tritt. Vor allem, weil das Heiligtum mit weißem Kalkstein verkleidet war und die Sonne natürlich so noch einmal verstärkt wurde und noch mehr blendete. Die Decke des Unterbaues war mit Sternen dekoriert. Die Wände waren mit Reliefs der großen Festdarstellung geschmückt. Es handelt sich also um eine Fortsetzung der großen Festdarstellung aus dem südlichen Gang. Auf der Oberfläche des Obeliskensockels wurden sicherlich Sonnenrituale zelebriert. Die Spitze des Obelisken empfing am Morgen die Sonne, stieg am Obelisken entlang zur Erde herab und sammelte sich auf dem Opferaltar für kultische Handlungen von den Priestern.
Der Obelisk war eine Verbindung von Himmel und Erde.


Altar

Direkt in der Achse der Eingangshalle führte ein Schmaler Zugang in den offenen Hof mit dem Alabasteraltar. Der Altar besteht aus einer runden, erhöhten Platte in der Mitte, um welche vier Blöcke in Form von Htp-Zeichen geschoben sind. Die Runde Platte in der Mitte soll die Sonnenscheibe imitieren. Der Altar steht heute noch im Sonnenheiligtum. Die Htp-Blöcke sind auf die vier Himmelsrichtungen ausgerichtet. Der ganze Altar lässt sich als „möge Re zufrieden sein“ lesen. Borchardt ging in seinem vorläufigen Grabungsbericht davon aus, dass der Altar von einer Mauer umgeben war und wohl in einem kleinen Tempel gestanden hat.


Großer Schlachthof

Am westlichen Ende des nördlichen Ganges gelangt man in den Vorraum des großen Schlachthofes. Der große Schlachthof war ca. 800 m² groß. Der Hof lag ca. 15 cm über dem Hofpflaster und war horizontal ausgerichtet. Zur Abführung von Flüssigkeiten waren flache Rinnen über die gesamte Länge des Pflasters eingeschnitten, die sich nach Osten hin vertieften. Dort liefen sie in zehn Auffangbecken aus Alabaster, von denen heute nur noch neun vorhanden sind. Es wird angezweifelt, dass dort reale Schlachtungen stattgefunden haben. Man fand keinen Zugang der groß genug war, um das Schlachtvieh in den Schlachthof zu führen. Außerdem fand man keine Löcher für Ösen, an denen die Tiere festgebunden wurden. Deshalb wurde er Schlachthof als Ort für „rituelle Säuberung“ der Opfertiere. Ebenso wie die Sedfestdarstellungen sind auch die Schlachthöfe nicht die Wiedergabe realer Begebenheiten im Heiligtum.


Kleiner Schlachthof

Westlich des großen Schlachthofes befand sich ein kleiner Schlachthof. Von ihm ist nur ein Kalksteinblock erhalten. Der kleine Schlachthof soll die gleiche Funktion wie der große Schlachthof gehabt haben.


Sonnenschiff

In einiger Entfernung in südlicher Richtung befindet sich das Sonnenschiff. Es ist 20 m lang und Ost-west-orientiert. Es wurde aus Ziegeln aufgemauert. Es besaß Holzplanken und hölzerne Deckenaufbauten, die teilweise vergoldet waren. Das war sehr detailreich gestaltet. So versuchte man auf den Ziegeln die Linien von Holzplanken zu imitieren. Es ist inschriftlich als maatj-Barke bekannt. In der Mythologie gibt es jedoch zwei Schiffe. Eines für die Tagesfahrt mandt und eines für die Nachtfahrt msktt. Bis jetzt wurde bei Niuserre aber nur ein Schiff gefunden.


Deutung und Funktion

Der Hof und der Obelisk sind Ost-West-orientiert, damit die Front des Obelisken nach Osten gerichtet ist. Der Tempelkult galt dem Sonnengott Re, sowie seiner Gefährtin Hathor und dem König. Es existierte eine umfangreiche Priesterschaft, die den Kult an den Sonnenheiligtümern vollzog. Ihre Namen und Titel sind über Generationen hinweg belegt. Dies zeigt welchen Stellenwert dieser Tempel im AR besaß. Unter anderem befinden sich dort auch Priestertitel. die auf den Hathor schließen lassen. Dabei wurde der Kult für den König unzweifelhaft, da durch Priesterämter bezeugt, bereits zu Lebzeiten des Herrschers weitergeführt. Der Kult für Hathor und für den König war untrennbar von dem des Re abhängig. Die Triade Re-Hathor-König war offenbar in Gestalt von Statuen im Heiligtum vertreten. Der Kult des Re, der Hathor und des Königs im Sonnenheiligtum wurde von einer Reihe von Festen begleitet. Die Feste aus dem Niuserrekalender im Taltempel lassen sich einerseits als Königsfeste für den Herrscher, andererseits als Götterfeste interpretieren. Es gibt viele verschiedene Sinngebungen der Sonnheiligtümer. Eine Meinung ist, dass es sich um Totenkomplexe für die Sonne handele. Eine andere Theorie von Dietrich Wildung besagt, dass es sich um eine Dualität zwischen Gott und König handele; ähnlich der Millionenjharhäuser. Sicher wurden im Sonnenheiligtum Sonnenrituale zelebriert, die von Sonnenhymnen begleitet wurden. Im Sonnenkult entfielen ja all jene in den übrigen Göttertempel vollzogenen Kultriten und wurden durch die Rezitation von Hymnen ersetzt. Ausgehend von der Weltkammer fällt auf, dass die Darstellung nur einen Bestandteil der Schöpfung thematisiert (Menschen, Tiere und Pflanzen). Den König dagegen findet man in den Sedfestszenen. Wenn wir also die Sedfestdarstellungen des südlichen Gangs und die des Obeliskengangs zusammen mit der Weltkammer nehmen, ist die Schöpfung wieder komplett: König, Menschen, Tiere und Pflanzen vom Sonnengott erschaffen. Es scheint, als ob die Dekoration einem Gesamtkonzept unterliegt. Das Motiv des Sedfestes ist ebenso zyklisch wie das Motiv der Jahreszeiten. Es geht um die ständige Erneuerung der Königsmacht und dadurch um den Wunsch des Königs nach ewiger Herrschaftsmacht. Die südliche Hälfte des Heiligtums, einschließlich des Obelisken thematisiert also die Schöpfung des Re und die Regeneration des Königs. Die nördliche Hälfte und die Magazine dienten als Versorgungsbereich. In Abusir wurden drei Pyramidenarchive in hieratischer Schrift gefunden. Sie geben Aufschluss über Dienstpläne, Inventare, Listen und Architekturverzeichnisse von den Pyramiden in Abusir. Man weiß, dass in den Sonnenheiligtümern ein Ochse, sowie Bier und Brot täglich an die umliegenden Pyramiden geliefert wurden.


Literaturangaben

  • Dieter Arnold: Lexikon der ägyptischen Baukunst, Düsseldorf 2000, S. 176-177, s. v. Niuserre, 241-242, s. v. Sonnenheiligtum.
  • Dieter Arnold: Die Tempel Ägyptens, Götterwohnungen, Kultstätten, Baudenkmäler, Zürich 1992, S. 36ff.
  • Jan Assmann: in: LÄ V, Wiesbaden 1984, Sp. 1078-1094, s. v. Sonnenbarke.
  • Jürgen von Beckerath: Handbuch der ägyptischen Königsnamen, MÄS 49, Mainz 1999².
  • Hans Bonnet: Lexikon der ägyptischen Religionsgeschichte, Berlin 2000, S. 735-738, s. v. Sonnenheiligtum.
  • Ludwig Borchardt, Heinrich Schäfer: Vorläufiger Bericht über die Ausgrabung bei Abusir im Winter 1899/1900, in: ZÄS 38, 1900, 94-100.
  • Ludwig Borchardt, Heinrich Schäfer: Vorläufiger Bericht über die Ausgrabung bei Abusir im Winter 1900/1901, in: ZÄS 39, 1901, 91-103.
  • Elmar Edel, Steffen Wenig: Die Jahreszeitenreliefs aus dem Sonnenheiligtum des Ne-user-re, Berlin 1974.
  • Wolfgang Helck: Die „Weihinschrift“ des Neuserre, in: SAK 5, 1977, S. 47-77.
  • Wolfgang Helck: in: III, Wiesbaden 1980, Sp. 241, s. v. Jahreszeitenreliefs.
  • Wolfgang Helck: in VI, Wiesbaden 1984, Sp. 1215, s. v. Weltkammer.
  • Werner Kaiser: Zu den Sonnenheiligtümern der 5. Dynastie, in: MDAIK 14, Mainz 1956, 104-116.
  • Mark Lehner: Geheimnis der Pyramiden, München 2004.
  • K. Martin: in: V, Wiesbaden 1984, Sp. 782-796, s. v. Sedfest.
  • Heinrich Schäfer: Vorläufiger Bericht über die Ausgrabung bei Abusir im Winter 1898/1899, in: ZÄS 37, 1899, 1-9.
  • PM III 1², Oxford 1972, 319-324.
  • M. Rochholz: Sedfest, Sonnenheiligtum und Pyramidenbezirk, zur Deutung der Grabanlagen der Könige der 5. und 6. Dynastie, in: Gundlach/Rochholz Hgg., Ägyptische Tempel- Struktur, Funktion und Programm, HÄB 37, Hildesheim 1994, S. 225-280.
  • Rainer Stadelmann: in: LÄ V, Wiesbaden 1984, Sp. 1094-1099, s. v. Sonnenheiligtum.
  • Rainer Stadelmann: Die ägyptischen Pyramiden, Vom Ziegelbau zum Weltwunder, Mainz 1985, 164ff.
  • Miroslav Verner: Die Pyramiden, Hamburg 1998.
  • Susanne Voß: Untersuchungen zu den Sonnenheiligtümern der 5. Dynastie. Bedeutung und Funktion eines singulären Tempeltyps im Alten Reich. Hamburg 2004 (PDF; 2,5 MB)
  • Dietrich Wildung: Ni-User-Rê, Sonnenkönig – Sonnengott, Ausstellungsheft, München 1985.

Marie Luise von Degenfeld

Maria Susanne Loysa “Luise” von Degenfeld, seit 1667 Raugräfin zu Pfalz, (* 28. November 1634 in Straßburg; † 18. März 1677 in Schloss Friedrichsburg, Mannheim) war die morganatisch angetraute Ehefrau des Kurfürsten Karl I. Ludwig von der Pfalz (1618-1680).


Biografie

Marie Luise von Degenfeld war die Tochter des bekannten Feldherrn Christoph Martin von Degenfeld. Sie kam 1650 - wohl als Hofdame der Kurfürstin Charlotte - nach Heidelberg an den Hof des Kurfürsten Karl Ludwig von der Pfalz, des durch den westfälischen Frieden rehabilitierten Sohnes Friedrichs V., des Winterkönigs, und der Elisabeth Stuart - im selben Jahr indem sich Karl Ludwig mit Charlotte, geborene Landgräfin von Hessen-Kassel, vermählt hatte.


Marie Luise von Degenfeld und der Kurfürst Karl Ludwig

Die schöne Freiin Degenfeld übte bald eine unwiderstehliche Anziehungskraft auf den Kurfürsten aus, der zuletzt vor keinem Hindernis zurückschreckte, sie zu besitzen. Im Jahr 1658 ließ er sich mit Luise morganatisch vermählen, ohne von seiner ersten Gemahlin in aller Form geschieden zu sein. Als Herr seiner Kirche sprach er - gestützt auf ein Gutachten des Heidelberger Juristen Friedrich Bökelmann - seine eigene Scheidung aus - ein auch damals schon höchst zweifelhaftes Unternehmen.

Luise hatte nicht ohne Widerstreben die Zuneigung des Kurfürsten erwidert. Ihre Ehe war glücklich, obwohl ihre Lage infolge der Launen ihres Gemahls und manch anderer ihr ungünstiger Verhältnisse nicht leicht war.

Ihr zu Ehren ließ der Kurfürst Karl Ludwig von 1659 bis 1661 in der Heidelberger Altstadt die Providenzkirche, die erste lutherische Kirche in der Residenzstadt erbauen.


Marie Luise von Degenfeld und die Kurfürstin Charlotte

Die Kurfürstin Charlotte blieb nach wie vor am Hof zu Heidelberg wohnen und kehrte erst 1662 nach Kassel zurück, nachdem alle ihre Versuche, die Nebenbuhlerin wieder zu verdrängen, gescheitert waren.

Marie Luise von Degenfeld hatte kein ruhiges Leben im Dienste ihrer Herrin, die unerträglich launisch war. Sophie von der Pfalz schreibt im Jahr 1686 über die Vorbereitungen zu Charlottens Beerdigung:

Das war das einzige Mal, daß man sie ankleidete, ohne daß sie die Leute angefahren oder geschlagen hätte.

Sophie erzählt in ihren Memoiren anschaulich von den Auseinandersetzungen am kurfürstlichen Hof:

Denn, indem sie das Kabinett der Degenfeld durchstöberte, fand sie nicht nur alle die Liebesbriefchen des Kurfürsten, sondern auch all die Schmucksachen, die er ihr geschenkt hatte. Das versetzte sie in eine Wut und sie ließ mich und meine Schwester rufen. Die Degenfeld hatte ihrerseits den Kurfürsten benachrichtigen lassen, und als wir eintrafen, erblickten wir einen ganz außergewöhnlichen Auftritt. Der Kurfürst stand vor seiner Geliebten, um die Schläge abzuwehren, die sie von seiner Gemahlin hätte bekommen können, die Kurfürstin ging im Zimmer hin und her und hatte alle Schmucksachen der Degenfeld in den Händen. Voll Zorn kam sie auf uns zu und schrie: Prinzessinnen, schaut her, das alles ist der Lohn der Hure, das alles ist nicht für mich bestimmt. Als der Kurfürst ihr sagte, sie solle die Juwelen derjenigen, der sie gehörten, zurückgeben, warf sie alles durchs Zimmer und kreischte: Wenn sie mir nicht gehören sollen, nun dann sind sie da, und da, und hier!

Zitiert nach W. von Moers-Messmer: Heidelberg und seine Kurfürsten.


Kinder aus der Ehe mit Karl Ludwig

Luise hatte 14 Kinder geboren, von denen acht die Eltern überlebten. Die bedeutendste unter den Töchtern war die Raugräfin Louise (1661-1733), der in dem Briefwechsel, den ihre Halbschwester Elisabeth Charlotte vom französischen Hof aus mit ihr führte, ein unvergängliches Denkmal gesetzt ist.

Bereits im Jahr 1667 hatte Maria Susanne Luise im Namen ihrer Nachkommen auf alle Erbansprüche auf die Pfalz verzichtet und Karl Ludwig ihr und ihren Kindern den Titel von “Raugrafen” und “Raugräfinnen” erteilt und sie zugleich mit den Lehen der seit Jahrhunderten erloschenen, jetzt aber erneuerten Würde der Raugrafschaft ausgestattet.

Maria Susanna Luise starb - noch vor der Geburt ihres 14. Kindes - am 18. März 1677. Ihre Gebeine sind heute in der Gruft der Konkordienkirche in Mannheim beigesetzt.

Von den 13 Kindern starben 5 in frühester Kindheit. Von den Überlebenden starben alle fünf Söhne unverheiratet und kinderlos, vier fielen als Soldaten, einer im Duell “an übermäßigem Trunke”. Von den drei Töchtern heiratete nur Karoline, die älteste. Sie hatte keine überlebenden männlichen Nachkommen.

  1. Karl Ludwig zu Pfalz (1658–1688), gefallen bei Negroponte
  2. Karoline Elisabeth (1659–1696), heiratete 1683 Meinhard von Schomberg, 2. Duke of Leinster (1641–1719)
  3. Luise (1661–1733), Briefpartnerin ihrer Halbschwester Liselotte von der Pfalz
  4. Ludwig (1662–1662)
  5. Amalie Elisabeth (1663–1709)
  6. Georg Ludwig (1664–1665)
  7. Frederike (1665–1674)
  8. Friedrich Wilhelm (1666–1667)
  9. Karl Eduard (1668–1690)
  10. Sofie (1669–1669)
  11. Karl Moritz (1671–1702)
  12. Karl August (1672–1691)
  13. Karl Kasimir (1675–1691), gestorben im Duell in Wolfenbüttel “an übermäßigem Trunke”

siehe auch: Grafen von Degenfeld


Literatur

  • Wolfgang von Moers-Messmer: Heidelberg und seine Kurfürsten. Die große Zeit der Geschichte Heidelbergs als Haupt- und Residenzstadt der Kurpfalz. Weiher : Verlag Regionalkultur, 2001. ISBN 3897351609

Grobiņa

Grobiņa (dt: Grobin) ist eine Kleinstadt in West-Lettland.

Die Stadt ist ca. 5 km² groß und hat 4300 Einwohner.


Geschichte

Grobiņa war im frühen Mittelalter das Zentrum der skandinavischen Besiedlung an der baltischen Küste, vergleichbar mit Haithabu und Birka.

Bei Ausgrabungen in Grobiņa entdeckte man drei Gräberfelder mit Brandbestattungen, Waffen und Schmucksachen von skandinavischem Typus aus der Vendelzeit. Fundstücke aus zwei Gräberfeldern werden Gotland, die aus dem dritten dem Mälartal in Mittelschweden zugeordnet. Sie stammen aus der Zeit zwischen 600 und 850. Rimbert schreibt in seiner Vita sancti Ansgari, dass in den Kämpfen der Schweden sich in Grobiņa tausende von Kämpfern verschanzt hätten.

Der Schwertbrüderorden errichtete in Grobiņa wie an vielen anderen Orten eine Festung. Sie ging später an den Deutschen Orden über. Alle wurden während des Livlandischen und Nordischen Krieges sowie später im Laufe der beiden Weltkriege zerstört.

Die “Deutschordens-Vogtei Grobin” wurde an Herzog Albrecht und dessen Nachkommen verpfändet.

Seit 1695 besitzt Grobiņa das Stadtrecht.

Im 20. Jahrhundert befand sich dort Kaserne der Wehrmacht des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Grobiņa zum russischen Gouvernement Kurland.


Siehe auch

  • Liste deutscher Bezeichnungen lettischer Orte

Mumie

Als eine Mumie bezeichnet man einen tierischen oder menschlichen Körper, der durch physikalische oder chemische Verhältnisse vor Verwesung geschützt ist und in seiner allgemeinen Form erhalten bleibt. Der Prozess der Entstehung einer Mumie wird als Mumifikation bzw. Mumifizierung, das Endergebnis als mumifiziert bezeichnet.
Damit eine Mumie entstehen kann, muss der natürliche bakterielle Verwesungsvorgang aufgehalten werden. Dies kann durch Sauerstoffmangel, Trockenheit, Kälte oder Chemikalien erreicht werden.

Archäologisch ist die Definition von Mumie schwierig, da ursprünglich nur ägyptische Leichen als Mumien bezeichnet wurden. Für einige andere Einzelfunde (z. B. Paracas-Kultur oder aus der Thule-Kultur) hat sich der Begriff „Mumie“ etabliert, doch andere, die ebenfalls mumienähnliche Eigenschaften aufweisen (wie z. B. der Ötzi), fallen nie in diese Kategorie. Der Begriff „Mumie“ ist für die archäologische Wissenschaft nicht verbindlich definiert. Meist wird der Begriff in Deutschland vermieden, da er zu sehr mit ägyptischen Funden in Verbindung gebracht wird.


Etymologie

Das Wort Mumie dürfte vom arabischen mumiyah abgeleitet sein, was Bitumen bedeutet. Man glaubte lange Zeit, dass die Ägypter ihre Mumien mittels Bitumen konservierten, doch die schwarze Masse, die man gefunden hatte, waren nur die verwendeten Öle und Harze, die sich im Laufe der Jahrtausende verändert hatten.


Natürliche Mumien

Natürliche Mumien werden erzeugt

  • durch trockene, gut geheizte Räume (wie etwa in der Kapuzinergruft von Palermo),
  • durch Trockenheit des Bodens am Begräbnisort, z. B. in der Sahara (weiße Mumien), in der peruanischen Wüste oder dem Altai-Gebirge,
  • wenn der Leichnam an einem sehr kalten Ort (z. B. Gletscher oder Taiga) begraben ist und gleichsam „eingefroren“ wird,
  • durch einen kalten austrocknenden Luftzug, wie im Bleikeller des Doms zu Bremen oder auf dem Großen St. Bernhard,
  • durch mineralische Bestandteile des Bodens (z. B. Alaungehalt),
  • durch feuchte, luftabgeschlossene Bedingungen (Moore),
  • generell durch Luftabschluss.

(siehe auch Mumifikation)


Künstliche Mumien


Aus Ägypten

Unter den künstlichen Mumien, die durch besondere Präparation mit fäulniswidrigen Stoffen erzeugt werden, sind die ägyptischen Mumien seit alter Zeit berühmt.

Schon Abdul Latif, ein arabischer Reisender des 12. Jahrhunderts, berichtet, dass man die nach Myrrhe duftenden Mumien in Ägypten zu medizinischen Zwecken verkaufe. Noch im 16. Jahrhundert und im Anfang des 17. Jahrhunderts wurde in Europa ein schwungvoller Handel damit betrieben, da sie als ein vorzügliches Heilmittel gegen Brüche, Wunden und Kontusionen galten; selbst Ende des 19. Jahrhunderts sollen in deutschen Apotheken noch vereinzelt Mumien nachgefragt worden sein.

Die Mumien liegen in den ägyptischen Gräbern zum Teil in Sarkophagen oder in Särgen, welche nicht selten die äußere Form einer Mumie haben; namentlich gilt dies von dem innersten Kasten, welcher oft nur aus einer Art von Pappe gemacht ist; sie sind mit einer außerordentlichen Menge von Binden aus Leinwand, dem Byssus der Antike, in seltenen Fällen aus Baumwolle, fest umwickelt, und der Kopf ist mitunter durch einen Hypocephalos gestützt.

In anderen Gräbern, z. B. in thebanischen Volksgräbern, liegen die Mumien uneingesargt in Haufen zu Hunderten und Tausenden. Sie sind lang gestreckt, mit den Händen über der Brust oder über der Schoßgegend gekreuzt oder mit eng an der Seite liegenden Armen, Frauen zuweilen in der Stellung der Venus von Botticelli.

Zwischen den Beinen oder Händen, seltener in den Achselhöhlen, findet man bei den Vornehmeren religiöse Handschriften auf Papyrus, besonders aus dem Totenbuch, womit bei Ärmeren die Mumienbinden beschrieben sind. Am Bauch und auf der Brust, häufiger noch zwischen den Binden finden sich kleinere Amulette; die Mumien von Vornehmern sind oft mit Schmucksachen aus Gold und edlen Steinen, Halsbändern, Ringen, Ohrringen, Skarabäen, Amuletten und Götterfiguren geschmückt. Bei einigen hat man auch Kränze aus Blättern und Blumen von oft wunderbarer Erhaltung und Ketten von Beeren gefunden.

Brust- und Bauchhöhle sind leer, durch Leinwandballen voneinander getrennt und mit einer harten, schwarzen, harzigen Substanz angefüllt. Die weiblichen Brüste finden sich nicht selten mit Leinwand ausgestopft oder mit Harz ausgegossen.

Die Mumien sind von den antiseptischen, harzigen und aromatischen Stoffen, mit welchen sie behandelt wurden, so vollständig durchdrungen, dass sie eine dunkelgelbe, rötliche, braune oder schwarze Farbe und einen nicht unangenehmen, aromatischen Geruch angenommen haben.

Die linke Hand ist fast immer mit Ringen oder Skarabäen geschmückt. Die Mumien der späteren Zeit sind teilweise schwarz und schwer und bilden mit den Binden eine unförmige Masse. Schon der arabische Gelehrte Abdul Latif erzählt von Goldstückchen, welche sich auf den Mumien fänden, und in vielen Museen hat man Exemplare, welche Vergoldung im Gesicht, auf den Augenlidern, auf den Lippen, an den Geschlechtsteilen, an Händen und Füßen zeigen.

Mariette hat beobachtet, dass die Mumien von Memphis schwarz, ausgetrocknet und sehr zerbrechlich sind, während die von Theben gelb, matt glänzend und oft noch geschmeidig sind, was auf eine verschiedenartige Behandlungsweise hindeutet. Auch wurden Tiere, besonders Katzen (denn sie waren die Tiere der Pharaonen und galten als heilig), mumifiziert um mit ihren Besitzern ins Jenseits aufzufahren. In der ägyptischen Spätzeit, besonders in der 25. Dynastie, gewann der Tierkult eine solche Bedeutung, dass große Friedhöfe mit Tiermumien entstanden.

Die Art der Behandlung und Ausstattung ist bei den Mumien je nach Zeit, Ort und natürlich auch nach dem Stand eine sehr verschiedene gewesen. Anfangs wurden nur Königsmumien einbalsamiert, mit dem Fortschreiten des Alten Reiches konnten auch Beamte sich mumifizieren lassen. Das einfache Volk konnte nur durch die Eigenschaft des Wüstensandes getrocknet werden (wie alle Mumien in der prädynastischen Zeit). Die Mumifizierungstechnik bestand ursprünglich aus der Entnahme der inneren Organe und dem Einlegen des Körpers in eine Natronlösung. Die Körper wurden jedoch nicht sehr gut konserviert, so dass man schließlich zu Natronsalz überging.

Abgesehen von den archäologischen Rückschlüssen gibt es Berichte durch Herodot und Diodor, nach denen es bei den alten Ägyptern drei Arten der Einbalsamierung gab: die erste habe 1 Talent gekostet, die zweite 20 Minen, die dritte sei vergleichsweise preiswert gewesen.

Nach der ersten Art, welche die Körperformen am besten konservierte, wurden zunächst von den „Paraschisten“ durch einen Seiteneinschnitt, der mit steinernem Messer geschehen musste, die Eingeweide herausgenommen, welche in den so genannten Kanopenvasen besonders einbalsamiert und beigesetzt wurden. Porphyrius berichtet, sie seien in den Nil geworfen worden, doch da die Vollständigkeit des Körpers im ägyptischen Glauben eine so große Rolle spielt, kann man diese Nachricht als unzuverlässig zurückweisen. Das Gehirn wurde vermittelst eines Hakens durch die Nase herausgezogen. Danach wurde der Leichnam mit Palmwein und aromatischen Ölen gewaschen und mit Myrrhen und Kassie angefüllt, oder er wurde mit so genanntem Natron, einem von dem jetzt Natron genannten verschiedenen alkalischen Salzen, imprägniert und danach mit Harzen und anderen aromatischen und fäulniswidrigen Stoffen angefüllt, worauf man ihn 70 Tage trocknen ließ und ihn dann in Binden wickelte.

Die Einbalsamierung der zweiten Art geschah ohne Seiteneinschnitt, indem man, nach Entleerung der Baucheingeweide durch den After, den Leichnam mit Zedernöl anfüllte. Dies Verfahren dauerte ebenfalls 70 Tage; da es nur durch Herodot berichtet wird, ist unklar, ob es sich um eine weniger sorgfältige Begräbnispraxis für niedere Stände handelt oder ob die Mumifizierungsfähigkeiten generell in der Spätzeit abnahmen.

Die Einbalsamierung der dritten Art bestand im Waschen mit einer geringeren Flüssigkeit (Syrmaia) und Einsalzung. Diese betrug wahrscheinlich nicht die vollen 70 Tage, da es sich um ein weniger sorgfältiges Begräbnis für die ärmlicheren Menschen handelte.

Hierbei ist zu beachten, dass diese Schriftsteller lange nach dem Höhepunkt der Mumifizierungskunst lebten. Als sie Ägypten bereisten (5. bzw. 1. Jahrhundert v. Chr.), war die gebräuchliche Mumifizierungspraxis auf einem jämmerlichen Stand. So ist ihre Darstellung mit Vorsicht zu genießen.

Die ägyptischen Mumien wurden, besonders im England des 19. Jahrhunderts, häufig vor Publikum ausgewickelt, z. B. von Pettigrew. Aus dieser Zeit ist zum ersten Mal der Begriff Ägyptomanie bekannt. Vorher wurden sie auch oft als Brennmaterial benutzt (Mark Twain).

Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart erarbeitet derzeit für 2007 eine große Landesausstellung über ägyptische Mumien, von der auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse erwartet werden.

Ab dem 30. September 2007 zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim die weltweit größte Mumienausstellung mit über 70 künstlichen und natürlichen Mumien, Begleitfunden, Grabbeilagen und neusten Forschungsergebnissen aus der Mumienforschung.


Aus anderen Kulturen

Außer den alten Ägyptern verstanden sich auch die Guanchen auf den Kanarischen Inseln auf die künstliche Erhaltung; ihre Mumien sind in Ziegenfelle eingenäht und gut erhalten. Anscheinend trockneten die Körper vor allem durch die luftdichte Verpackung der Felle; ganz geklärt ist es nicht. Ähnliche Fälle gibt es in Mexiko und Peru, wo z. B. in Paracas die Cavernen-Kultur ihre Verstorbenen in unzählige Lagen dicker Stoffe wickelte und auf diese Weise konservierten. Peruanische Mumien finden sich in hockender Stellung, mit beiden Händen das Gesicht verdeckend. Reiß und Stübel, Das Totenfeld von Ancon in Peru, Berlin 1887

Auch bei den birmanischen Priestern besteht die Sitte der Einbalsamierung, welche meistens mit dem Glauben an ein Wiederaufleben der toten Körper zusammenhängt.

Strittig ist die Frage der Mumifizierung bei den Chinchorro (Chile): sie entfleischten den Körper, stützten die Knochen mit Stöcken, und überzogen sie mit einer Art Gips. Darauf klebten sie die Haut und bestrichen die Haut schwarz. Dies bedeutet, das ca. 80 % des ursprünglichen organischen Materials nicht erhalten war bzw. beachtet wurde.

Weiterhin wurde Mumifizierung weniger erfolgreich im mittelalterlichen Japan unter den Fujiwara-Herrschern oder bei den buddhistischen Mönchen (Selbstmumifizierung durch Flüssigkeitsverweigerung) praktiziert.

Selbstmumifizierung praktizierten auch daoistische Mönche im 5. und 6. Jahrhunderts nach Chr. in China. Sie wollten „Unsterblichkeit“ erlangen. Dabei wurden körperliche Vorgänge durch Meditationstechniken zu kontrollieren gelernt und die Ernährung umgestellt. Den Tod führten die Mönche dann herbei, indem sie durch das Trinken von Lackbaumsaft ihre Verdauungsorgane versiegelten. Die Körper wurden danach durch Dämpfe getrocknet und wiederum mit Lack versiegelt.

Am 24. Februar 1921 wurde das sogenannte Mädchen von Egtved gefunden. Der Fund stammt aus der älteren Bronzezeit, etwa 1400 v. Chr. Das Mädchen lag in einem großen Eichensarg. Durch Untersuchungen der Zähne wurde ihr Alter auf 16-18 Jahre geschätzt. Das sog. Egtved Pigen ist nur in Weichteile und Zähnen erhalten. Außerdem befanden sich in einem Stoffbündel die Knochen eines fünf- bis sechsjährigen Kindes. Im Sarg waren weiterhin eine Sommerblume, einige Bronzebeigaben, ein Eimer aus Baumrinde und ein Kuhfell.

Die am besten erhaltene Mumie der Welt wurde 1972-73 in Mawangdui in der zentralchinesischen Provinz Hunan gefunden: die Lady von Dai. Ihre Gelenke sind noch weich, eine Blutentnahme ist möglich. Die Mumifizierung wurde jedoch nicht durch Entnahme von Körperteilen oder Austrocknung herbeigeführt und scheint von verschiedenen Faktoren abzuhängen (Bestattung in kühler Erde; mehrere luftdicht abschließende, ineinander verkantete Särge; eine rote Flüssigkeit im Sarg). Sie stammt aus der Han-Dynastie.

In neuerer Zeit mit den Mitteln der fortgeschrittenen Chemie, würde man, wenn darauf Wert gelegt würde, ebenso vollkommene Mumien erzeugen können wie im alten Ägypten, wie unter anderem Brunnetti in Padua mit seinen künstlich versteinerten Leichen bewiesen hat. Harrison in England hat nach äygptischer Methode einen Leichnam konserviert.


Bekannte Mumien


aus Ägypten

  • Ramses I.
  • Ramses II.
  • Nesperennub
  • Amenophis III.
  • Thutmosis II.
  • Juja
  • Hatschepsut
  • Tutenchamun. Bei ihm ist bemerkenswert, dass zwei ungeborene Föten im Grab lagen. Dies ist der bisher einzige Fund von mumifizierten Föten.


aus anderen Ländern

  • Ötzi (Italien/Südtirol)
  • Amazone von Bertek (Russland)
  • Itigilow (Ivolginsk, Sibirien)
  • Kaiserjägermumien
  • Marquise von Dai (besterhaltene Mumie, über 2000 Jahre alt, Mawangdui, China)
  • Ritter Kahlbutz
  • Der „Luftg’selchte Pfarrer“
  • Rosalia Lombardo (Italien)
  • Lenin (Russland)
  • Persische Mumie (eine 2000 gefundene, zunächst für 2600 Jahre alt gehaltene Mumie, die sich später als Fälschung herausstellte)
  • Das Mädchen von Egtved
  • Juanita (Peru) (gefroren) mumifiziertes Inka-Mädchen aus dem 15. Jahrhundert
  • El Plomo Boy (Südamerika)
  • Mumien von Vodnjan (Kroatien)
  • Mumien von Klatovy (Tschechien)


Bekannte Fundstätten

  • Tal der Könige (Theben-West)
  • Tal der Königinnen (Theben-West)
  • Bahariya, das Tal der goldenen Mumien


Rezeption

In dem Heilsystem des Paracelsus und seiner Nachfolger spielten neue Mumien, die man aus den Körpern von Gehenkten wie denjenigen lebender Menschen bereitete, eine große Rolle, ebenso im Volksglauben über Hexen, indem man durch Benutzung derselben den Lebenden schaden zu können glaubte (siehe Bildzauber, Voodoo). Daher die noch heute im Volk lebendige Vorsicht, Haare und Nägelabschnitte zu verbrennen, damit sie nicht in böse Hände fallen können.

Mumien finden als Untote in zahlreichen Horrorfilmen Verwendung. In dem Klassiker Die Mumie von 1932 (und dessen Remakes von 1959 und 1999) spielt eine Mumie sogar die Hauptrolle. Es gibt auch ein Rollenspiel des White-Wolf-Verlags, , in welchem man in die Rolle eines solchen Untoten schlüpft.


Siehe auch

  • Einbalsamieren
  • Mumia
  • Plastination
  • Sarkophag
  • Gruft
  • Fluch des Pharao
  • Carl von Cosel
  • Bleikeller des Bremer Domes


Einzelnachweise


Literatur

  • Alan Gardiner: Egypt of the Pharaos (1962), deutsch als: Geschichte des Alten Ägypten, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart
  • Hans Georg Wunderlich: Wohin der Stier Europa trug (1975), englisch als: The Secret of Crete, Efstathiadis Publ., Anixi Attikis
  • Mircea Eliade: Histoire des croyances et des idées religieuses (1976), Ed. Pavot, Paris, deutsch als: Geschichte der religiösen Ideen, Herder Verlag, Freiburg, 5 Bde.
  • Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten, Beck, München, 2001
  • Milan Racek: Die nicht zu Erde wurden - Kulturgeschichte der konservierenden Bestattungsformen, BV, Wien, 1985
  • Renate Germer: Mumien, Artemis & Winkler, 2001
  • Benno Meyer-Hicken: Über die Herkunft der MUMIA genannten Substanzen und ihre Anwendung als Heilmittel, Kiel, Dissertation 1978
  • Shelley Tanaka und Paul G. Bahn: Die geheimnisvolle Welt der Mumien. Wie Körper die Jahrtausende überstehen. Knesebeck Verlag, 2007


Weblinks

  • Fitzenreiter/Loeben Berlin 1998: Die ägyptische Mumie, ein Phänomen der Kulturgeschichte
  • Mumien aus China Video
  • Die Mumien im Bleikeller zu Bremen
  • rem-Sonderausstellung Mumien - Der Traum vom ewigen Leben

Benjamin Vautier

Benjamin Vautier (* 4. April 1829 in Morges; † 25. April 1898 in Düsseldorf) war ein Schweizer Maler.

Er wuchs am Genfersee auf, begann seine Kunststudien in Genf, war dann zwei Jahre als Emailmaler für Schmucksachen tätig und ging 1849 in das Genfer Atelier des Historienmalers Jean-Léonard Lugardon. Nebenbei malte er Aquarelle und Porträts und gab an der Zeichenakademie Kurse im Aktzeichnen.

1850 begab er sich an die Kunstakademie in Düsseldorf, wurde Mitglied im Künstlerverein Malkasten und ließ sich in Anatomie und Proportionslehre unterrichten. Er verließ die Akademie für ein Jahr, um im Atelier von Rudolf Jordan ein Jahr lang als Privatschüler zu arbeiten und dann durch – das Beispiel von Ludwig Knaus bestimmt – sich der Schilderung des Bauernlebens zu widmen, welches er in den folgenden Jahren im Berner Oberland studierte.

1856 begab er sich nach Paris, kehrte aber 1857 wieder nach Düsseldorf zurück, wo als erstes seiner Bilder aus dem Volksleben das Innere einer schweizerischen Dorfkirche mit Andächtigen entstand. Zu den zunächst folgenden Bildern nahm er noch seine Motive aus der Schweiz, versenkte sich aber dann mit Vorliebe in das Studium des Lebens der schwäbischen, besonders der Schwarzwälder, Bauern und schuf in rascher Folge eine Reihe von fesselnden Bildern, durch welche er sich die Stellung eines der ersten deutschen Genremaler erwarb.

Seine Werke sind durch Sicherheit der Zeichnung, eine Charakteristik von größter Mannigfaltigkeit, Tiefe und Feinheit, eine durchweg edle, vornehme Auffassung, ein stimmungsvolles Kolorit, welches sich der Komposition unterordnet, durch Tiefe und Wahrheit der Empfindung und, wo es der Stoff mit sich bringt, durch liebenswürdigen Humor ausgezeichnet. Vautier war auch als Illustrator (Carl Leberecht Immermanns Oberhof, Berthold Auerbachs Barfüßele u. a.) tätig und lebte als königlicher Professor in Düsseldorf.

Die hervorragendsten und volkstümlichsten Arbeiten sind:

  • Kartenspielende Bauern, von ihren Frauen überrascht (1862, im Museum zu Leipzig)
  • Der Sonntag in Schwaben, der Leichenschmaus (1865, Museum zu Köln)
  • Die erste Tanzstunde (1868, Nationalgalerie in Berlin)
  • Bauer und Makler, Toast auf die Braut (1870, in der Kunsthalle zu Hamburg)
  • Ein Zweckessen (1871)
  • Das Begräbnis (1872)
  • Abfahrt zur Hochzeitsreise (1875)
  • Gemeinderatsversammlung (1876)
  • Auf dem Standesamt (1877)
  • Die Tanzpause (1878, Galerie zu Dresden)
  • Die Verhaftung (1879)
  • Schwarzer Peter (1883)
  • Das entflohene Modell (1886)
  • Die bange Stunde (1887)
  • Das neue Gemeindemitglied (1888)


Weblinks

Azazel

Azazel (hebräisch, auch Asasel, Azaël, Asael) gilt als Wüstendämon (Dämon) und erster Bannerträger der Höllenarmeen. Er tritt in Bockgestalt auf und ist der Anführer der gefallenen Engel. Auf ihn werden beim jüdischen Sühnenfest die Sünden der Welt aufgeladen.

Azazel lehrte die Menschen den Gebrauch von Waffen, die Herstellung von Schmucksachen, die Kunst des Schminkens und die Fertigung von Spiegeln. Er verriet somit die himmlischen Geheimnisse, wofür er von dem Engel Raphael gebunden, gesteinigt und in die Finsternis geworfen wurde ( „Mache in der Dudael-Wüste eine Grube, und wirf ihn hinein. Lege scharfe, spitze Steine unter ihn und bedecke ihn mit Finsternis. Laß ihn dort für immer wohnen und bedecke sein Antlitz, damit er kein Licht schaue. Am Tag des Endgerichts soll er in den Feuerpfuhl geworfen werden…war doch die ganze Erde durch die von Azazel gelehrten Werke verdorben worden…“, Aus dem apokryphischen Buch 1. Henoch 10, 4). Es lassen sich u.a. Parallelen zu Prometheus ziehen, ob eine Verbindung besteht, ist allerdings unklar.

Er gilt als Dämon zweiten Ranges, wird aber auch oft mit Samael gleichgesetzt. Am 10. des 7. Monats begehen die Juden ein Sühnefest, in dessen Verlauf zwei Böcke herbeigeführt werden. Es wurde ausgelost, einer für den Herrn, der geschlachtet wurde, zum Zeichen der Sühne, der andere für Azazel. Das Heiligtum, in welches das Blut des Geschlachteten getragen wurde, wird jedes Jahr zum Versöhnungstag gereinigt. Dem Bock Azazels wurden vom Hohepriester die gesamten Sünden des versammelten Volkes auferlegt, anschließend wurde er in die Wüste, zu Azazel, geschickt ( „…und lasse den Bock für Asasel in der Wüste“ 3. Mose 16,10). Ein Bericht dieser Zeremonie findet sich im 3. Buch Mose. Dies ist allerdings auch die einzige Bezugnahme der (kanonischen) Bibel auf Azazel. Wer oder was Azazel ist, wird an dieser Stelle nicht erklärt, so dass obige Personifizierung und Charakterisierung außerbiblisch traditionell begründet ist. Azazel hat nach dieser Interpretation die Rolle des „Sündenbocks“ inne, auch gilt er somit als Wüstendämon. Manche Ausleger interpretieren die Zeremonie auch dahingehend, dass dort symbolisch die Sünde zum Teufel (zu Azazel) gejagt wird.

Asael ist der Name eines der drei Brüder, die in der Geschichte treue Gefolgsleute König Davids waren, die Söhne von Zeruja. Asael wird erwähnt, als er Abner ben Ner verfolgt hat und von diesem mit dem Schaft seines Spießes getötet wurde.


Siehe auch

  • Lilith


Weblinks

Text von Wilhelm Busch zum Thema Azazel und Sünde

Charlotte von Hessen-Kassel

Charlotte von Hessen-Kassel, Kurfürstin von der Pfalz, (* 20. November 1627 in Kassel; † 16. März 1686 in Heidelberg) war die Gemahlin des Kurfürsten Karl Ludwig und Mutter der Liselotte von der Pfalz.

Ihre Eltern waren Wilhelm V. von Hessen-Kassel und Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg.


Leben

Charlotte von Hessen-Kassel führte eine unglückliche Ehe mit Karl Ludwig, die dazu führte, dass die gemeinsame Tochter Liselotte zu ihrer Tante Sophie von der Pfalz nach Hannover geschickt wurde und dass sich Karl Ludwig eine Geliebte, Luise von Degenfeld, nahm.

Wegen dieser Verbindung kam es zum Eklat, der dazu führte, dass sich Karl Ludwig wegen ihren “ungehorsamen, halsstarrigen, verdrießlichen und widerspenstigen” Verhaltens scheiden ließ und Luise von Degenfeld heiratete.


Persönlichkeit

Charlotte von Hessen-Kassel galt als unerträglich launisch. Sophie von der Pfalz schreibt im Jahr 1686 über die Vorbereitungen zu Charlottens Beerdigung:

Das war das einzige Mal, daß man sie ankleidete, ohne daß sie die Leute angefahren oder geschlagen hätte.

Sophie erzählt in ihren Memoiren anschaulich von den Auseinandersetzungen am kurfürstlichen Hof:

Denn, indem sie das Kabinett der Degenfeld durchstöberte, fand sie nicht nur alle die Liebesbriefchen des Kurfürsten, sondern auch all die Schmucksachen, die er ihr geschenkt hatte. Das versetzte sie in eine Wut und sie ließ mich und meine Schwester rufen. Die Degenfeld hatte ihrerseits den Kurfürsten benachrichtigen lassen, und als wir eintrafen, erblickten wir einen ganz außergewöhnlichen Auftritt. Der Kurfürst stand vor seiner Geliebten, um die Schläge abzuwehren, die sie von seiner Gemahlin hätte bekommen können, die Kurfürstin ging im Zimmer hin und her und hatte alle Schmucksachen der Degenfeld in den Händen. Voll Zorn kam sie auf uns zu und schrie: Prinzessinnen, schaut her, das alles ist der Lohn der Hure, das alles ist nicht für mich bestimmt. Als der Kurfürst ihr sagte, sie solle die Juwelen derjenigen, der sie gehörten, zurückgeben, warf sie alles durchs Zimmer und kreischte: Wenn sie mir nicht gehören sollen, nun dann sind sie da, und da, und hier!

Zitiert nach W. von Moers-Messmer: Heidelberg und seine Kurfürsten.

Grobiņa

Grobiņa (dt: Grobin) ist eine Kleinstadt in West-Lettland.

Die Stadt ist ca. 5 km² groß und hat 4300 Einwohner.


Geschichte

Grobiņa war im frühen Mittelalter das Zentrum der skandinavischen Besiedlung an der baltischen Küste, vergleichbar mit Haithabu und Birka.

Bei Ausgrabungen in Grobiņa entdeckte man drei Gräberfelder mit Brandbestattungen, Waffen und Schmucksachen von skandinavischem Typus aus der Vendelzeit. Fundstücke aus zwei Gräberfeldern werden Gotland, die aus dem dritten dem Mälartal in Mittelschweden zugeordnet. Sie stammen aus der Zeit zwischen 600 und 850. Rimbert schreibt in seiner Vita sancti Ansgari, dass in den Kämpfen der Schweden sich in Grobiņa tausende von Kämpfern verschanzt hätten.

Der Schwertbrüderorden errichtete in Grobiņa wie an vielen anderen Orten eine Festung. Sie ging später an den Deutschen Orden über. Alle wurden während des Livlandischen und Nordischen Krieges sowie später im Laufe der beiden Weltkriege zerstört.

Die “Deutschordens-Vogtei Grobin” wurde an Herzog Albrecht und dessen Nachkommen verpfändet.

Seit 1695 besitzt Grobiņa das Stadtrecht.

Im 20. Jahrhundert befand sich dort Kaserne der Wehrmacht des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Grobiņa zum russischen Gouvernement Kurland.


Siehe auch

  • Liste deutscher Bezeichnungen lettischer Orte