Calumpit

Calumpit ist eine Stadtgemeinde in der philippinischen Provinz Bulacan. Im Jahre 2000 zählte sie 82.113 Einwohner und 16.167 Haushalte. Im Westen grenzt Calumpit an die Provinz Pampanga.

In der Stadtgemeinde befindet sich auch die älteste Kirche von Bulacan. Die St. John the Baptist Church wurde 1572 erbaut. Der Augustiner Diego Vivar-Ordonez beaufsichtigte den Bau der Kirche. Innerhalb der Kirche befindet sich ein Tunnel, der einer Legende nach von Priestern während des spanischen Regimes verwendet wurde, um Gold, Statuen und Schmucksachen vor den Schatzräubern zu verstecken.


Baranggays

Calumpit ist in folgende 29 Baranggays aufgeteilt:

  • Balite
  • Balungao
  • Buguion
  • Bulusan
  • Calizon
  • Calumpang
  • Caniogan
  • Corazon
  • Frances
  • Gatbuca
  • Gugo
  • Iba Este
  • Iba O’Este
  • Longos
  • Meysulao
  • Meyto
  • Palimbang
  • Panducot
  • Pio Cruzcosa
  • Poblacion
  • Pungo
  • San Jose
  • San Marcos
  • San Miguel
  • Santa Lucia
  • Santo Niño
  • Sapang Bayan
  • Sergio Bayan
  • Sucol

Mumie

Als eine Mumie bezeichnet man einen tierischen oder menschlichen Körper, der durch physikalische oder chemische Verhältnisse vor Verwesung geschützt ist und in seiner allgemeinen Form erhalten bleibt. Der Prozess der Entstehung einer Mumie wird als Mumifikation bzw. Mumifizierung, das Endergebnis als mumifiziert bezeichnet.
Damit eine Mumie entstehen kann, muss der natürliche bakterielle Verwesungsvorgang aufgehalten werden. Dies kann durch Sauerstoffmangel, Trockenheit, Kälte oder Chemikalien erreicht werden.

Archäologisch ist die Definition von Mumie schwierig, da ursprünglich nur ägyptische Leichen als Mumien bezeichnet wurden. Für einige andere Einzelfunde (z. B. Paracas-Kultur oder aus der Thule-Kultur) hat sich der Begriff „Mumie“ etabliert, doch andere, die ebenfalls mumienähnliche Eigenschaften aufweisen (wie z. B. der Ötzi), fallen nie in diese Kategorie. Der Begriff „Mumie“ ist für die archäologische Wissenschaft nicht verbindlich definiert. Meist wird der Begriff in Deutschland vermieden, da er zu sehr mit ägyptischen Funden in Verbindung gebracht wird.


Etymologie

Das Wort Mumie dürfte vom arabischen mumiyah abgeleitet sein, was Bitumen bedeutet. Man glaubte lange Zeit, dass die Ägypter ihre Mumien mittels Bitumen konservierten, doch die schwarze Masse, die man gefunden hatte, waren nur die verwendeten Öle und Harze, die sich im Laufe der Jahrtausende verändert hatten.


Natürliche Mumien

Natürliche Mumien werden erzeugt

  • durch trockene, gut geheizte Räume (wie etwa in der Kapuzinergruft von Palermo),
  • durch Trockenheit des Bodens am Begräbnisort, z. B. in der Sahara (weiße Mumien), in der peruanischen Wüste oder dem Altai-Gebirge,
  • wenn der Leichnam an einem sehr kalten Ort (z. B. Gletscher oder Taiga) begraben ist und gleichsam „eingefroren“ wird,
  • durch einen kalten austrocknenden Luftzug, wie im Bleikeller des Doms zu Bremen oder auf dem Großen St. Bernhard,
  • durch mineralische Bestandteile des Bodens (z. B. Alaungehalt),
  • durch feuchte, luftabgeschlossene Bedingungen (Moore),
  • generell durch Luftabschluss.

(siehe auch Mumifikation)


Künstliche Mumien


Aus Ägypten

Unter den künstlichen Mumien, die durch besondere Präparation mit fäulniswidrigen Stoffen erzeugt werden, sind die ägyptischen Mumien seit alter Zeit berühmt.

Schon Abdul Latif, ein arabischer Reisender des 12. Jahrhunderts, berichtet, dass man die nach Myrrhe duftenden Mumien in Ägypten zu medizinischen Zwecken verkaufe. Noch im 16. Jahrhundert und im Anfang des 17. Jahrhunderts wurde in Europa ein schwungvoller Handel damit betrieben, da sie als ein vorzügliches Heilmittel gegen Brüche, Wunden und Kontusionen galten; selbst Ende des 19. Jahrhunderts sollen in deutschen Apotheken noch vereinzelt Mumien nachgefragt worden sein.

Die Mumien liegen in den ägyptischen Gräbern zum Teil in Sarkophagen oder in Särgen, welche nicht selten die äußere Form einer Mumie haben; namentlich gilt dies von dem innersten Kasten, welcher oft nur aus einer Art von Pappe gemacht ist; sie sind mit einer außerordentlichen Menge von Binden aus Leinwand, dem Byssus der Antike, in seltenen Fällen aus Baumwolle, fest umwickelt, und der Kopf ist mitunter durch einen Hypocephalos gestützt.

In anderen Gräbern, z. B. in thebanischen Volksgräbern, liegen die Mumien uneingesargt in Haufen zu Hunderten und Tausenden. Sie sind lang gestreckt, mit den Händen über der Brust oder über der Schoßgegend gekreuzt oder mit eng an der Seite liegenden Armen, Frauen zuweilen in der Stellung der Venus von Botticelli.

Zwischen den Beinen oder Händen, seltener in den Achselhöhlen, findet man bei den Vornehmeren religiöse Handschriften auf Papyrus, besonders aus dem Totenbuch, womit bei Ärmeren die Mumienbinden beschrieben sind. Am Bauch und auf der Brust, häufiger noch zwischen den Binden finden sich kleinere Amulette; die Mumien von Vornehmern sind oft mit Schmucksachen aus Gold und edlen Steinen, Halsbändern, Ringen, Ohrringen, Skarabäen, Amuletten und Götterfiguren geschmückt. Bei einigen hat man auch Kränze aus Blättern und Blumen von oft wunderbarer Erhaltung und Ketten von Beeren gefunden.

Brust- und Bauchhöhle sind leer, durch Leinwandballen voneinander getrennt und mit einer harten, schwarzen, harzigen Substanz angefüllt. Die weiblichen Brüste finden sich nicht selten mit Leinwand ausgestopft oder mit Harz ausgegossen.

Die Mumien sind von den antiseptischen, harzigen und aromatischen Stoffen, mit welchen sie behandelt wurden, so vollständig durchdrungen, dass sie eine dunkelgelbe, rötliche, braune oder schwarze Farbe und einen nicht unangenehmen, aromatischen Geruch angenommen haben.

Die linke Hand ist fast immer mit Ringen oder Skarabäen geschmückt. Die Mumien der späteren Zeit sind teilweise schwarz und schwer und bilden mit den Binden eine unförmige Masse. Schon der arabische Gelehrte Abdul Latif erzählt von Goldstückchen, welche sich auf den Mumien fänden, und in vielen Museen hat man Exemplare, welche Vergoldung im Gesicht, auf den Augenlidern, auf den Lippen, an den Geschlechtsteilen, an Händen und Füßen zeigen.

Mariette hat beobachtet, dass die Mumien von Memphis schwarz, ausgetrocknet und sehr zerbrechlich sind, während die von Theben gelb, matt glänzend und oft noch geschmeidig sind, was auf eine verschiedenartige Behandlungsweise hindeutet. Auch wurden Tiere, besonders Katzen (denn sie waren die Tiere der Pharaonen und galten als heilig), mumifiziert um mit ihren Besitzern ins Jenseits aufzufahren. In der ägyptischen Spätzeit, besonders in der 25. Dynastie, gewann der Tierkult eine solche Bedeutung, dass große Friedhöfe mit Tiermumien entstanden.

Die Art der Behandlung und Ausstattung ist bei den Mumien je nach Zeit, Ort und natürlich auch nach dem Stand eine sehr verschiedene gewesen. Anfangs wurden nur Königsmumien einbalsamiert, mit dem Fortschreiten des Alten Reiches konnten auch Beamte sich mumifizieren lassen. Das einfache Volk konnte nur durch die Eigenschaft des Wüstensandes getrocknet werden (wie alle Mumien in der prädynastischen Zeit). Die Mumifizierungstechnik bestand ursprünglich aus der Entnahme der inneren Organe und dem Einlegen des Körpers in eine Natronlösung. Die Körper wurden jedoch nicht sehr gut konserviert, so dass man schließlich zu Natronsalz überging.

Abgesehen von den archäologischen Rückschlüssen gibt es Berichte durch Herodot und Diodor, nach denen es bei den alten Ägyptern drei Arten der Einbalsamierung gab: die erste habe 1 Talent gekostet, die zweite 20 Minen, die dritte sei vergleichsweise preiswert gewesen.

Nach der ersten Art, welche die Körperformen am besten konservierte, wurden zunächst von den „Paraschisten“ durch einen Seiteneinschnitt, der mit steinernem Messer geschehen musste, die Eingeweide herausgenommen, welche in den so genannten Kanopenvasen besonders einbalsamiert und beigesetzt wurden. Porphyrius berichtet, sie seien in den Nil geworfen worden, doch da die Vollständigkeit des Körpers im ägyptischen Glauben eine so große Rolle spielt, kann man diese Nachricht als unzuverlässig zurückweisen. Das Gehirn wurde vermittelst eines Hakens durch die Nase herausgezogen. Danach wurde der Leichnam mit Palmwein und aromatischen Ölen gewaschen und mit Myrrhen und Kassie angefüllt, oder er wurde mit so genanntem Natron, einem von dem jetzt Natron genannten verschiedenen alkalischen Salzen, imprägniert und danach mit Harzen und anderen aromatischen und fäulniswidrigen Stoffen angefüllt, worauf man ihn 70 Tage trocknen ließ und ihn dann in Binden wickelte.

Die Einbalsamierung der zweiten Art geschah ohne Seiteneinschnitt, indem man, nach Entleerung der Baucheingeweide durch den After, den Leichnam mit Zedernöl anfüllte. Dies Verfahren dauerte ebenfalls 70 Tage; da es nur durch Herodot berichtet wird, ist unklar, ob es sich um eine weniger sorgfältige Begräbnispraxis für niedere Stände handelt oder ob die Mumifizierungsfähigkeiten generell in der Spätzeit abnahmen.

Die Einbalsamierung der dritten Art bestand im Waschen mit einer geringeren Flüssigkeit (Syrmaia) und Einsalzung. Diese betrug wahrscheinlich nicht die vollen 70 Tage, da es sich um ein weniger sorgfältiges Begräbnis für die ärmlicheren Menschen handelte.

Hierbei ist zu beachten, dass diese Schriftsteller lange nach dem Höhepunkt der Mumifizierungskunst lebten. Als sie Ägypten bereisten (5. bzw. 1. Jahrhundert v. Chr.), war die gebräuchliche Mumifizierungspraxis auf einem jämmerlichen Stand. So ist ihre Darstellung mit Vorsicht zu genießen.

Die ägyptischen Mumien wurden, besonders im England des 19. Jahrhunderts, häufig vor Publikum ausgewickelt, z. B. von Pettigrew. Aus dieser Zeit ist zum ersten Mal der Begriff Ägyptomanie bekannt. Vorher wurden sie auch oft als Brennmaterial benutzt (Mark Twain).

Das Landesmuseum Württemberg in Stuttgart erarbeitet derzeit für 2007 eine große Landesausstellung über ägyptische Mumien, von der auch neue wissenschaftliche Erkenntnisse erwartet werden.

Ab dem 30. September 2007 zeigen die Reiss-Engelhorn-Museen in Mannheim die weltweit größte Mumienausstellung mit über 70 künstlichen und natürlichen Mumien, Begleitfunden, Grabbeilagen und neusten Forschungsergebnissen aus der Mumienforschung.


Aus anderen Kulturen

Außer den alten Ägyptern verstanden sich auch die Guanchen auf den Kanarischen Inseln auf die künstliche Erhaltung; ihre Mumien sind in Ziegenfelle eingenäht und gut erhalten. Anscheinend trockneten die Körper vor allem durch die luftdichte Verpackung der Felle; ganz geklärt ist es nicht. Ähnliche Fälle gibt es in Mexiko und Peru, wo z. B. in Paracas die Cavernen-Kultur ihre Verstorbenen in unzählige Lagen dicker Stoffe wickelte und auf diese Weise konservierten. Peruanische Mumien finden sich in hockender Stellung, mit beiden Händen das Gesicht verdeckend. Reiß und Stübel, Das Totenfeld von Ancon in Peru, Berlin 1887

Auch bei den birmanischen Priestern besteht die Sitte der Einbalsamierung, welche meistens mit dem Glauben an ein Wiederaufleben der toten Körper zusammenhängt.

Strittig ist die Frage der Mumifizierung bei den Chinchorro (Chile): sie entfleischten den Körper, stützten die Knochen mit Stöcken, und überzogen sie mit einer Art Gips. Darauf klebten sie die Haut und bestrichen die Haut schwarz. Dies bedeutet, das ca. 80 % des ursprünglichen organischen Materials nicht erhalten war bzw. beachtet wurde.

Weiterhin wurde Mumifizierung weniger erfolgreich im mittelalterlichen Japan unter den Fujiwara-Herrschern oder bei den buddhistischen Mönchen (Selbstmumifizierung durch Flüssigkeitsverweigerung) praktiziert.

Selbstmumifizierung praktizierten auch daoistische Mönche im 5. und 6. Jahrhunderts nach Chr. in China. Sie wollten „Unsterblichkeit“ erlangen. Dabei wurden körperliche Vorgänge durch Meditationstechniken zu kontrollieren gelernt und die Ernährung umgestellt. Den Tod führten die Mönche dann herbei, indem sie durch das Trinken von Lackbaumsaft ihre Verdauungsorgane versiegelten. Die Körper wurden danach durch Dämpfe getrocknet und wiederum mit Lack versiegelt.

Am 24. Februar 1921 wurde das sogenannte Mädchen von Egtved gefunden. Der Fund stammt aus der älteren Bronzezeit, etwa 1400 v. Chr. Das Mädchen lag in einem großen Eichensarg. Durch Untersuchungen der Zähne wurde ihr Alter auf 16-18 Jahre geschätzt. Das sog. Egtved Pigen ist nur in Weichteile und Zähnen erhalten. Außerdem befanden sich in einem Stoffbündel die Knochen eines fünf- bis sechsjährigen Kindes. Im Sarg waren weiterhin eine Sommerblume, einige Bronzebeigaben, ein Eimer aus Baumrinde und ein Kuhfell.

Die am besten erhaltene Mumie der Welt wurde 1972-73 in Mawangdui in der zentralchinesischen Provinz Hunan gefunden: die Lady von Dai. Ihre Gelenke sind noch weich, eine Blutentnahme ist möglich. Die Mumifizierung wurde jedoch nicht durch Entnahme von Körperteilen oder Austrocknung herbeigeführt und scheint von verschiedenen Faktoren abzuhängen (Bestattung in kühler Erde; mehrere luftdicht abschließende, ineinander verkantete Särge; eine rote Flüssigkeit im Sarg). Sie stammt aus der Han-Dynastie.

In neuerer Zeit mit den Mitteln der fortgeschrittenen Chemie, würde man, wenn darauf Wert gelegt würde, ebenso vollkommene Mumien erzeugen können wie im alten Ägypten, wie unter anderem Brunnetti in Padua mit seinen künstlich versteinerten Leichen bewiesen hat. Harrison in England hat nach äygptischer Methode einen Leichnam konserviert.


Bekannte Mumien


aus Ägypten

  • Ramses I.
  • Ramses II.
  • Nesperennub
  • Amenophis III.
  • Thutmosis II.
  • Juja
  • Hatschepsut
  • Tutenchamun. Bei ihm ist bemerkenswert, dass zwei ungeborene Föten im Grab lagen. Dies ist der bisher einzige Fund von mumifizierten Föten.


aus anderen Ländern

  • Ötzi (Italien/Südtirol)
  • Amazone von Bertek (Russland)
  • Itigilow (Ivolginsk, Sibirien)
  • Kaiserjägermumien
  • Marquise von Dai (besterhaltene Mumie, über 2000 Jahre alt, Mawangdui, China)
  • Ritter Kahlbutz
  • Der „Luftg’selchte Pfarrer“
  • Rosalia Lombardo (Italien)
  • Lenin (Russland)
  • Persische Mumie (eine 2000 gefundene, zunächst für 2600 Jahre alt gehaltene Mumie, die sich später als Fälschung herausstellte)
  • Das Mädchen von Egtved
  • Juanita (Peru) (gefroren) mumifiziertes Inka-Mädchen aus dem 15. Jahrhundert
  • El Plomo Boy (Südamerika)
  • Mumien von Vodnjan (Kroatien)
  • Mumien von Klatovy (Tschechien)


Bekannte Fundstätten

  • Tal der Könige (Theben-West)
  • Tal der Königinnen (Theben-West)
  • Bahariya, das Tal der goldenen Mumien


Rezeption

In dem Heilsystem des Paracelsus und seiner Nachfolger spielten neue Mumien, die man aus den Körpern von Gehenkten wie denjenigen lebender Menschen bereitete, eine große Rolle, ebenso im Volksglauben über Hexen, indem man durch Benutzung derselben den Lebenden schaden zu können glaubte (siehe Bildzauber, Voodoo). Daher die noch heute im Volk lebendige Vorsicht, Haare und Nägelabschnitte zu verbrennen, damit sie nicht in böse Hände fallen können.

Mumien finden als Untote in zahlreichen Horrorfilmen Verwendung. In dem Klassiker Die Mumie von 1932 (und dessen Remakes von 1959 und 1999) spielt eine Mumie sogar die Hauptrolle. Es gibt auch ein Rollenspiel des White-Wolf-Verlags, , in welchem man in die Rolle eines solchen Untoten schlüpft.


Siehe auch

  • Einbalsamieren
  • Mumia
  • Plastination
  • Sarkophag
  • Gruft
  • Fluch des Pharao
  • Carl von Cosel
  • Bleikeller des Bremer Domes


Einzelnachweise


Literatur

  • Alan Gardiner: Egypt of the Pharaos (1962), deutsch als: Geschichte des Alten Ägypten, Alfred Kröner Verlag, Stuttgart
  • Hans Georg Wunderlich: Wohin der Stier Europa trug (1975), englisch als: The Secret of Crete, Efstathiadis Publ., Anixi Attikis
  • Mircea Eliade: Histoire des croyances et des idées religieuses (1976), Ed. Pavot, Paris, deutsch als: Geschichte der religiösen Ideen, Herder Verlag, Freiburg, 5 Bde.
  • Jan Assmann: Tod und Jenseits im alten Ägypten, Beck, München, 2001
  • Milan Racek: Die nicht zu Erde wurden - Kulturgeschichte der konservierenden Bestattungsformen, BV, Wien, 1985
  • Renate Germer: Mumien, Artemis & Winkler, 2001
  • Benno Meyer-Hicken: Über die Herkunft der MUMIA genannten Substanzen und ihre Anwendung als Heilmittel, Kiel, Dissertation 1978
  • Shelley Tanaka und Paul G. Bahn: Die geheimnisvolle Welt der Mumien. Wie Körper die Jahrtausende überstehen. Knesebeck Verlag, 2007


Weblinks

  • Fitzenreiter/Loeben Berlin 1998: Die ägyptische Mumie, ein Phänomen der Kulturgeschichte
  • Mumien aus China Video
  • Die Mumien im Bleikeller zu Bremen
  • rem-Sonderausstellung Mumien - Der Traum vom ewigen Leben

Elfenbeinschnitzerei

Als Elfenbeinschnitzerei bezeichnet man die Kunst, in Elfenbein Ornamente und Figuren zu schneiden.


Geschichte


Steinzeit

Die Elfenbeinschnitzerei geht in sehr frühe Zeiten zurück. Berühmt sind die 11 Tierfigürchen aus Mammutelfenbein aus den Vogelherdhöhlen, die mit einem Alter 32.000 Jahren als mit die ältesten menschlichen Kunstwerke überhaupt gelten Vogelherdhöhle. Als schönste Stücke dieses Fundes gelten ein 4,8 cm großes Pferdchen Wildpferd und ein 5 cm großer Mammut, daneben fand man Rentier, Bär, Höhlenlöwe, ein Bison und eine Figur die einen Menschen darstellen könnte Löwenmensch. Als älteste figürliche Darstellung eines Mischwesens mit 32.000 Jahren vor heute gilt der Löwenmensch, ebenfalls eine Mammutelfenbeinfigur, die im Hohlenstein-Stadel, einer Höhle im Lonetal, gefunden wurde. Man findet Elfenbeinarbeiten bereits in Form von Steinwerkzeugen des Jungpaläolithikum, vor allem Speerspitzen, Nadeln und Keile aus Zeiten vor 40.000 bis 30.000 Jahren, aber auch auf Mammutzähne geritzte Zeichnungen von Rentieren, die in Höhlen Frankreichs gefunden worden sind. Auch die Pfahlbauten rund um die Alpen haben Elfenbeinschnitzereien geliefert.


Altägypten

Sicher datierbare Stücke sind zunächst aus dem alten Ägypten bekannt: allerlei Geräte, Griffe, kleine Büchsen, Nadeln und Toilettengegenstände, mit Flachrelief verzierte Platten zur Bekleidung von Gegenständen, auch kleine Statuetten, deren eine ins 11. Jahrhundert v. Chr. hinaufreicht, und anderes. Auch assyrische Elfenbeinschnitzereien kommen vor.


Bibel

Im Alten Testament wird die Verwendung von Elfenbein öfters erwähnt; hier haben wir an eine Verkleidung eines meistens hölzernen Kerns mit Elfenbeinplatten zu denken. Das berühmteste Werk hebräischer Elfenbeinschnitzerei war der Thron des Salomo (1. Könige 10, 18).


antikes Griechenland

Die Griechen kannten das Elfenbein lange, bevor sie mit dem Elefanten bekannt wurden; Homer erwähnt seine Verwendung zum Schmuck verschiedener Gegenstände häufiger, sowohl als glänzend weißes Material wie auch gefärbt. Am Kasten des Kypselos (also in historischer Zeit) finden wir gleichfalls Elfenbein, wie es denn früh speziell für Verzierung der Götterbilder besonders Verwendung fand. Aus den Fürstengräbern der Hallstattzeit sind aus Südwestdeutschland importierte griechische Klinen mit Elfenbeinintarsien bekannt (z. B. Grafenbühl bei Asperg).

Am bekanntesten ist die Verwendung des Elfenbeins in der so genannten chryselephantinen Technik, d. h. es wurden Götterbilder, meistens kolossale, aus Gold und Elfenbein hergestellt derart, dass die nackten Fleischteile aus Elfenbein, die Gewandung etc. aus Gold verfertigt und auf einem hölzernen Kern befestigt waren (siehe Goldelfenbeinkunst).


Römisches Reich

Bei den Römern finden wir Elfenbeinschnitzerei früh erwähnt; der kurulische Sessel war aus Elfenbein, ferner der Stab der Könige u. a. Mit dem zunehmenden Luxus, der Ausdehnung des römischen Reichs und der reicheren Zufuhr von Elfenbein (man kannte übrigens auch schon fossiles; Plinius der Ältere, 36, 29) nahm auch die Elfenbeinschnitzerei an Ausdehnung zu. Musikinstrumente wie Flöten, Leiern etc. von Elfenbein waren etwas Gewöhnliches und vielfach noch mit Edelsteinen geziert. Die Furnierung von Möbeln, Schmucksachen mit Elfenbein war allgemein; auch schnitzte man Tischfüße und Verwandtes aus dem vollen Material, fertigte Bettstellen daraus. Neben Götterfiguren schnitzte man Reliefs und ganze Reiterstatuen von Feldherren oder Kaisern in Elfenbein.

In der Kaiserzeit findet die Elfenbeinschnitzerei besondere Verwendung zum Schmuck der Diptychen, welche die Konsuln beim Antritt des Amtes als besondere Auszeichnung zu verschenken pflegten. Diese aus zwei Platten bestehenden, durch ein Scharnier zum Aufklappen eingerichteten Schreibtafeln sind an den Außenseiten gewöhnlich mit dem Bildnis des betreffenden Konsuls in irgend einer amtlichen Handlung in Elfenbeinschnitzerei geschmückt.


frühchristliche Zeit

Die frühchristliche Kunst brachte die Elfenbeinschnitzerei zu hoher Vollendung; sie arbeitete durchaus in den Traditionen der altklassischen Kunst, ohne selbst neue Formen der Darstellung zu erfinden. Man schmückte die heiligen Geräte wie Hostienbüchsen, kleine Klappaltäre, Einbände für die heiligen Schriften etc. mit Elfenbeinschnitzerein.

Die Elfenbeinschnitzereien jener Zeit sind heute die wichtigsten, zum Teil einzigen erhaltenen plastischen Denkmäler der frühchristlichen Kunst und daher von größtem Wert.

Im Ravenna, einem Zentrum der byzantinischen Kunst, trieb auch die Elfenbeinschnitzerei ihre schönsten Blüten: der Bischofsstuhl des Maximianus (546-552) im Dom daselbst darf als Meisterwerk dieser Technik gelten.


frühes Mittelalter

Mit dem Vordringen christlicher Kultur über die Alpen gelangte auch die Elfenbeinschnitzerei nach dem Norden, mit ihr der Stil und Geist der ausgehenden klassischen Kunst. Am Hof Karls des Großen blühte die Elfenbeinschnitzerei gleichfalls.

Im 11. und 12. Jahrhundert war die Kunst der Elfenbeinschnitzerei allgemein verbreitet. Kruzifixe, Haus- und Reisealtäre, Statuen, Bischofsstäbe und -ringe, Prachtsättel, Schmuckkästchen und Toilettengerät sind uns vielfach erhalten. Namentlich bei Bucheinbänden pflegte man gern in die Mitte des mit Edelsteinen geschmückten Deckels eine geschnitzte Elfenbeinplatte einzulegen. Die ganzen Elefantenzähne bedeckte man über und über mit Schnitzerei, höhlte sie aus und benutzte sie als Jagd- oder Trinkhörner; hier sind orientalische Vorbilder nicht ohne Einfluss gewesen.


Orient

Die orientalischen Elfenbeinschnitzereien kamen durch die Kreuzfahrer in größeren Mengen nach dem Abendland, sowohl als Kuriositäten wie vor allem als Behälter für Reliquien; letztere meistens in Form rechteckiger Kästchen mit mannigfachem Dekor, häufig mit Goldmalerei oder eingeritzten Ornamenten geziert, die den alten Stoffmustern entlehnt sind; seltener sind diese Kästchen geschnitzt, dann aber von großer Schönheit und Vollendung in der Ausführung. Das Stammland dieser Arbeiten ist das neupersische Reich, wie Ornamente und Darstellungen lehren.

Die Übergangsperiode zeigt die Elfenbeinschnitzerei nicht in dem Umfang wie die romanische
Zeit, doch besitzen wir einige kostbare figürliche Arbeiten dieser Epoche.


ab 14. Jahrhundert

Mächtig war dagegen der Aufschwung der Elfenbeinskulptur im 14. und 15. Jahrhundert. Während man sich früher mit Altärchen für Haus oder Reise begnügt hatte, setzte man jetzt ganze große Altarwerke aus einzelnen Platten, Figuren, Architekturteilen zusammen. In größerem Umfang als bisher aber diente die Elfenbeinschnitzerei jetzt dem Profangebrauch und ward zu Luxusgegenständen, namentlich Schmuckkästchen für Damen und Ähnlichem, verwendet, dem auch die Darstellungen der Reliefs (Liebesszenen, Allegorien) entsprechen. Die Ausführung dieser Arbeiten zeugt von tüchtigem handwerksmäßigem Können. Die Künstler arbeiteten nach einem gewissen Vorrat von Entwürfen, die immer wieder kopiert wurden, so dass gewisse Darstellungen in zahlreichen Wiederholungen auf uns gekommen sind.

Die mittelalterlichen Elfenbeinschnitzereien sind so ziemlich in allen Kulturländern gefertigt worden; namentlich aber verdankt man Frankreich eine große Anzahl der überaus reizvollen Altärchen, die, aus der Spitze des Elefantenzahns geschnitten, in der Mitte eine stehende Madonna, in den zwei der vier Flügeln biblische Darstellungen zeigen. Überhaupt ist die Form des Zahns maßgebend für die Gestaltung der daraus geschnitzten Objekte, da es galt, sowenig wie möglich von dem kostbaren Material wegzuschneiden. Die seitliche Neigung der Madonnenstatuen hat durchaus ihren Grund in der Form des Zahns und ist dann später gewissermaßen in Mode gekommen, so dass diese Stellung auch an Figuren aus anderem Material häufig genug angetroffen wird. Auch Form und Größe der runden Schachteln, der Platten etc. richten sich im früheren Mittelalter nach dem Durchmesser der Zähne; später kommt man dazu, einzelne Teile zu einem Ganzen zusammenzusetzen.


15. Jahrhundert

Gegen Ende des 15. Jahrhundert tritt die Elfenbeinschnitzerei besonders in Venedig hervor, wo in Verbindung mit dem Holz- und Elfenbeinmosaik geschnitzte Platten zu kleinen Kassetten verarbeitet werden. Auch Sättel, Satteltaschen etc. mit durchbrochener Elfenbeinschnitzerei werden hier gefertigt.

Mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien und der dadurch vermehrten Zufuhr von Elfenbein beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Elfenbeinschnitzerei. Die Herstellung kirchlicher Geräte tritt gegen die Profanarbeiten zurück.


16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert kommen die Elfenbeinschnitzereien nur vereinzelt vor, meistens ganz vortreffliche, meisterhafte Arbeiten von höchster Vollendung, namentlich als flache Reliefs für Brettsteine, Schachfiguren, Figuren und Reliefs allerlei Art. Diese Arbeiten werden vielfach mit den Namen großer Künstler verknüpft: Michelangelo, Benvenuto Cellini, Albrecht Dürer u. a. sollen Elfenbeinschnitzereien gefertigt haben.


Die Blüte im 17. Jahrhundert

Die eigentliche Blüte der Elfenbeinschnitzerei fällt in das 17. Jahrhundert. Die Elfenbeinschnitzerei wird Modesache, eine Anzahl Fürsten treten selbst als ausübende Künstler auf diesem Gebiet auf oder ziehen geschickte Drechsler an ihren Hof. Letzterem Umstand verdanken die großen Sammlungen in Dresden, Gotha, Kassel, Schwerin, München u. a. ihre Entstehung.

Als solche die Elfenbeinschnitzerei pflegenden Fürsten sind zu nennen: Kaiser Rudolf II., Ferdinand III., die Kurfürsten Moritz und August I. von Sachsen, Georg Wilhelm von Brandenburg, Maximilian und Ferdinand von Bayern, Johann Wilhelm von der Pfalz, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen.

Die Produkte jener Zeit sind überaus mannigfaltig: Tafelaufsätze von mächtiger Größe mit Figuren, Appliken, große Prachtgefäße aller Art, Schiffsmodelle, Reliefs, Figuren etc. Sehr beliebt und in Mengen erhalten sind die Prachtgefäße, die, der Form des Zahns folgend, meistens als zylindrische Humpen geformt sind. Die Darstellungen enthalten durchweg menschliche Figuren in voller Höhe des Gefäßes, wobei die Ähnlichkeit der Struktur und der Transparenz des Elfenbeins mit der menschlichen Haut meistens zur Darstellung nackter Körper benutzt ist; so sind Amazonen und Heroenschlachten, Musendarstellungen und bacchische Szenen besonders beliebt. Diese Elfenbeinschnitzereien, in reich getriebenes und vergoldetes Silber meistens in Augsburg gefasst, dienten lediglich als Ziergeräte. Große Schüsseln mit Kannen, aus Holz oder Horn, mit skulptierten Elfenbeinplatten belegt, in Augsburg verfertigt, dienten namentlich in Jagdschlössern zur Ausschmückung der Büffette. Wohl das künstlerisch bedeutendste Stück jener Zeit ist der Münzschrank der Herzogin Elisabeth von Bayern, von Chr. Angermeier 1618-1624 gefertigt (in München).


18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert kehrt wiederum zu Gebrauchsgeräten aus Elfenbein zurück: Stockgriffe, Tabaksraspeln und -dosen, Griffe zu Messern und Gabeln bilden gegen die Ziergeräte jetzt die Mehrzahl. Daneben artet die ganze Kunst allerdings zum Teil in Spielereien (Totenköpfe) aus, namentlich nach Erfindung der so genannten Passigdrehbank, die gestattete, die mannigfachsten Schweifungen, ja selbst viereckige Büchsen etc. herzustellen. Diese Drechselkunst hatte ihren Sitz in Nürnberg, wo die Familie Zick eine große Berühmtheit durch ihre Arbeiten errang; einzelne Glieder derselben hielten sich vorübergehend an den Höfen von Prag, Weimar, Halle und Wien auf und verbreiteten so ihre Kunst. Peter Zick, der Begründer der Familie, starb 1632. Sein Sohn Lorenz galt als der Geschickteste in seiner Kunst. Besonders berühmt waren seine “Conterfaitbüchsen”, hohle, geschlossene Gefäße mit Inhalt, alles aus einem Stück Elfenbein gedreht und geschnitten. Er starb 1666. Stephan Zick (gest. 1715) verfertigte namentlich “Dreifaltigkeitsringe”, Kunstaugen und Kunstohren, d. h. anatomisch zusammengesetzte, zerlegbare Augen und Ohren.


weitere berühmte Elfenbeinkünstler

Außer den eben genannten Elfenbeinschnitzereien mögen hier noch angeführt werden: Egidius Lobenigke in Dresden (16. Jahrhundert), Melchior Barthel daselbst (1625-72), Balthasar Permoser in Florenz, Berlin und Dresden (1651-1732). Ein Spezialist war Simon Troger (gest. 1769) in München, von dem die bekannten Bettlerfiguren, aber auch andre Arbeiten aus Holz und Elfenbein stammen, die in den deutschen Sammlungen nicht selten sind; ferner Leo Pronner in Nürnberg, der Kuriositäten aller Art schnitt (17. Jahrhundert).

Mit dem Rokoko ging auch die Kunst der Elfenbeinschnitzerei zu Grunde, zumal das Interesse daran erlosch. Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts lebte in Meiningen Leberecht Wilhelm Schulze, der durch mannigfache gute Arbeiten, Kirchengeräte sowohl als Gefäße und Schnitzereien zu profanem Gebrauch, sich bekannt gemacht hat.


Elfenbeinkunst in Deutschland

Zentrum der Elfenbeinkunst in Deutschland ist bzw. war Erbach im Odenwald, wo auch die Schnitzkunst im Deutschen Elfenbeinmuseum Erbach umfangreich präsentiert wird.


Einzelnachweise


Literatur

Eva Halat: Modernes Scrimshaw. Geschichte, Anleitung, Galerie. Verlag Angelika Hörnig, 2003.ISBN 3980874311.


Weblinks

  • Die ältesten bisher gefundenen menschlichen Kunstwerke: 11 Tierfigürchen aus Mammutelfenbein 32.000 Jahre alt
  • Die älteste bisher gefundene Darstellung eines Mischwesens von Mensch und Tier: der Löwenmensch

Ketuba

Ketuba ist der schriftlich niedergelegte jüdische Ehevertrag. Er wird in aramäischer Sprache verfasst und von zwei Zeugen unterschrieben.

Im orthodoxen Judentum definiert die Ketuba die Verpflichtung des Ehemanns gegenüber seiner Gattin. Er verpflichtet sich damit, ihr Unterstützung, Ernährung, gesundes Leben und Freude zu sichern. Die Ketuba regelt auch die finanzielle Absicherung der Frau im Falle einer Scheidung oder dem Tod des Mannes. Für die Frau sind in der Ketuba keine Pflichten festgelegt.

Der Text der orthodoxen Ketuba, aus dem Aramäischen übersetzt, lautet in etwa:

In einigen Gegenden fügen auch Bräutigam und Braut Ihre Unterschriften bei.

Diese Form der Ketuba wird jedoch nur im orthodoxen Judentum verwendet. Die Mehrheit der Juden in Nordamerika und eine bedeutende Minderheit der Juden in Europa und Israel praktizieren Formen des progressiven (oder liberalen) Judentums. In diesen Denominationen dient die Ketuba den Partnern vor allem als feierliche Erklärung ihrer Liebe für einander und ihrer gegenseitigen Versprechen und Verpflichtungen. Dies schließt in der Regel auch einen angemessenen Beitrag zum Lebensunterhalt ein, doch nehmen beide Partner gleichermaßen diese Verpflichtung auf sich. Morgengabe und Mitgift kommen dabei nicht vor. Viele nicht-orthodoxe Ketubot schließen auch einen Passus ein, in dem sich der Bräutigam verpflichtet, seiner Frau auf Verlangen die Scheidung zu gewähren. Weil viele Juden Angehörige anderer Religionen heiraten, gibt es auch Ketuba-Texte für solche gemischtreligiösen Eheschließungen. Dasselbe gilt für die wachsende Zahl gleichgeschlechtlicher jüdischer Partnerschaften, die in einer religiösen Zeremonie besiegelt werden und für die es ebenfalls Ketubot gibt.
Nicht-orthodoxe Ketubot sind nicht einfach eine Formalität, sondern dienen dem Paar als eine Art feierliches „mission statement“ ihrer Ehe. Entsprechend viel Sorgfalt wird auf die Formulierung verwendet. Dass die Ketuba von Kalligraphen geschrieben und von darauf spezialisierten Künstlern aufwendig gestaltet wird, gehört zu der jüdischen Tradition des chidur mizvah, also der „Verschönerung“ einer religiösen Verpflichtung. Viele Paare lassen ihre Ketuba rahmen und hängen sie zu Hause an einem Ehrenplatz auf. (S.a. Anita Diamant: The New Jewish Wedding. 2. Auflage, New York: Fireside, 2001)


Weblinks

  • Ketubbot collection, Jewish National und University Library
  • Beschreibung des Lieberman Clause

Grobiņa

Grobiņa (dt: Grobin) ist eine Kleinstadt in West-Lettland.

Die Stadt ist ca. 5 km² groß und hat 4300 Einwohner.


Geschichte

Grobiņa war im frühen Mittelalter das Zentrum der skandinavischen Besiedlung an der baltischen Küste, vergleichbar mit Haithabu und Birka.

Bei Ausgrabungen in Grobiņa entdeckte man drei Gräberfelder mit Brandbestattungen, Waffen und Schmucksachen von skandinavischem Typus aus der Vendelzeit. Fundstücke aus zwei Gräberfeldern werden Gotland, die aus dem dritten dem Mälartal in Mittelschweden zugeordnet. Sie stammen aus der Zeit zwischen 600 und 850. Rimbert schreibt in seiner Vita sancti Ansgari, dass in den Kämpfen der Schweden sich in Grobiņa tausende von Kämpfern verschanzt hätten.

Der Schwertbrüderorden errichtete in Grobiņa wie an vielen anderen Orten eine Festung. Sie ging später an den Deutschen Orden über. Alle wurden während des Livlandischen und Nordischen Krieges sowie später im Laufe der beiden Weltkriege zerstört.

Die “Deutschordens-Vogtei Grobin” wurde an Herzog Albrecht und dessen Nachkommen verpfändet.

Seit 1695 besitzt Grobiņa das Stadtrecht.

Im 20. Jahrhundert befand sich dort Kaserne der Wehrmacht des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Grobiņa zum russischen Gouvernement Kurland.


Siehe auch

  • Liste deutscher Bezeichnungen lettischer Orte

Grobiņa

Grobiņa (dt: Grobin) ist eine Kleinstadt in West-Lettland.

Die Stadt ist ca. 5 km² groß und hat 4300 Einwohner.


Geschichte

Grobiņa war im frühen Mittelalter das Zentrum der skandinavischen Besiedlung an der baltischen Küste, vergleichbar mit Haithabu und Birka.

Bei Ausgrabungen in Grobiņa entdeckte man drei Gräberfelder mit Brandbestattungen, Waffen und Schmucksachen von skandinavischem Typus aus der Vendelzeit. Fundstücke aus zwei Gräberfeldern werden Gotland, die aus dem dritten dem Mälartal in Mittelschweden zugeordnet. Sie stammen aus der Zeit zwischen 600 und 850. Rimbert schreibt in seiner Vita sancti Ansgari, dass in den Kämpfen der Schweden sich in Grobiņa tausende von Kämpfern verschanzt hätten.

Der Schwertbrüderorden errichtete in Grobiņa wie an vielen anderen Orten eine Festung. Sie ging später an den Deutschen Orden über. Alle wurden während des Livlandischen und Nordischen Krieges sowie später im Laufe der beiden Weltkriege zerstört.

Die “Deutschordens-Vogtei Grobin” wurde an Herzog Albrecht und dessen Nachkommen verpfändet.

Seit 1695 besitzt Grobiņa das Stadtrecht.

Im 20. Jahrhundert befand sich dort Kaserne der Wehrmacht des Deutschen Reiches. Nach dem Zweiten Weltkrieg gehörte Grobiņa zum russischen Gouvernement Kurland.


Siehe auch

  • Liste deutscher Bezeichnungen lettischer Orte

Eiskunstlauf

Der Eiskunstlauf ist eine Form des Eislaufs, bei dem es auf die kunstvolle Ausführung von Sprüngen, Pirouetten und Schritten ankommt. Es gibt internationale Eiskunstlaufwettbewerbe, wie z. B. Weltmeisterschaft, und Eiskunstlauf ist auch eine offizielle Disziplin bei den Olympischen Winterspielen.

Dieser Sport ist mit dem Schaugeschäft verwoben, als „großartige Schau“, bei der man die Eiskunstläufer nicht beurteilt, und es ist üblich geworden, dass am Ende mancher Wettbewerbe ein Schaulaufen stattfindet. Viele Eiskunstläufer wirken während und nach ihrer Amateurkarriere dabei mit.


Disziplinen

Eiskunstlauf wird in vier Disziplinen bei internationalen Meisterschaften durchgeführt:

  • Einzellaufen
  • Paarlaufen
  • Eistanzen
  • Synchroneiskunstlauf


Geschichte

Hauptartikel: Geschichte des Eiskunstlaufes

Die Wiege des Eiskunstlaufs stand in Großbritannien, der erste Wettkampf fand hier 1814 statt. Von hier breitete er sich in ganz Europa und den USA aus. In den USA fügte man dem Eiskunstlauf noch Musik hinzu und setzte Tanz- und Ballettelemente ein.

Beim Ausflug in die Frühgeschichte der Sportart muss man eher über Eislauf sprechen, der sich erst viel später in zwei unterschiedliche Sportdisziplinen, Eiskunstlauf und Eisschnelllauf, geteilt hat.

Die ersten historischen Erwähnungen vom Eislauf stammen aus Dänemark 1134, die älteste englische Kenntnis stammt aus dem Jahr 1180. Archäologische Funde (aus Knochen gefertigte Schlittschuhe) datieren den Ursprung des Eislaufens in die Bronze- und Steinzeit.

Primitive Anfänge kann man schon in den Niederlanden im 13. und 14. Jh. finden, wo die beschlagenen Kanten der Holzschuhe einfache Laufbögen ausführen ließen. In Holland war Schlittschuhlaufen ein Volksvergnügen, wie das manche Bilder der Alten Meister bezeugen, andernorts war es nur Adelsvorrecht. Der Kaiser Rudolf II. soll einen großen Eiskarneval veranstaltet haben, der unangefochten zur Popularisierung dieser Kurzweil beitrug.

Die Entwicklung des echten Eiskunstlaufens fing aber erst im 18. Jh. an, als die Kufen die Form einer Kurve bekamen, was die Ausführung von Drehungen und komplizierten Elementen ermöglichte.

  • 1742 wurde in Edinburgh der erste Eislaufverein der Welt gegründet – Edinburg Skating Club.
  • 1772 gab Robert Johns das erste Eiskunstlaufhandbuch „A treatise on skating“ in London heraus.


Eisbahnen und Winterstadien

Die ersten Eisbahnen waren natürlich die Teiche und Flüsse. Die Aufbereitung des Eises war aber recht schwierig und Klimaverhältnisse bestimmten die geographischen Regionen, in denen sich der Eislauf entwickeln konnte. Zum Beispiel in Annalen des philadelphiaschen Vereines, der 1848 gegründet wurde, kann man finden, dass zur Ausrüstung auch einige Meter Rettungstau gehörten.
In Kanada dagegen war dünnes Eis nicht das Problem, sondern die aufliegenden Schneemassen, so wurde im Jahr 1860 mit großem Ruhm das erste Stadion im Land überdacht.

Im verträumten, rebenumrankten Hernals (Wien) stand 1831 die Syring-Engelmannsche „k. k. landesbefugte Wachsleinwand- und Kunsttapetenfabrik“, eine Musterstätte Wiener Geschmacks und Arbeitsfleißes. Für seine Familienangehörigen und Freunde errichtete der Wachstuchfabrikant Eduard Engelmann senior 1871 auf den Gartenwegen des Fabrik- und Wohnhausareals im Winter eine bescheidene Eisbahn. Immer größer wurde der Betrieb, immer mehr breitete sich das Unternehmen aus, bis Oberbaurat Ingenieur Eduard Engelmann, der geniale Erfinder, 1931 aus der versteckten kleinen Eisbahn im Hausgarten ein Unternehmen von höchstem sportlichen und technischen Ruf schuf: die erste Freiluft-Kunsteisbahn der Welt!

Gewerbeschein Nr. 20.997-871.

Vor- und Zuname: Eduard Engelmann
Alter: 36 Jahre
Wohnort: Hernals, Alsgasse 8, neu

hat bei der gefertigten Bezirkshauptmannschaft am 30. November 1871
den Antritt der freien Beschäftigung: des Benützens einer Eisbahn in seinem Hausgarten
in dem Standorte, Hernals, Alsgasse 8, neu,
angemeldet, worüber ihm, nachdem diese Anmeldung in das Gewerberegister II, Post 840, eingetragen worden ist, zu seiner Beglaubigung dieser Gewerbeschein ausgefertigt wird.

Hernals, den 16. Dezember 1871
für den k. k. Bezirkshauptmann: Hrliczka.

Wenn man will, kann man also den 16. Dezember 1871 als das Geburtsdatum des Sportplatzes Engelmann führen; von diesem Tage an wurde ja der regelmäßige Eislaufbetrieb aufgenommen.

Die erste Kunsteisbahn (lat. Glaciarium) wurde in London (Chelsea) schon im Jahr 1876 gebaut. Der Ausbau weiterer Kunsteisbahnen war entscheidend für die folgende Entwicklung dieses Sportes.

Das bis dahin größte überdachte Eisstadion haben die Japaner im Jahr 1960 in Tokio gebaut. Seine Eisfläche ist 4.000 m² groß.
Den Japanern gehört auch die größte Freilufteisbahn, die im Jahr 1967 angelegt wurde und eine Fläche von 15.400 m² hat.

Eisstadien finden wir heutzutage nicht nur in Kanada, USA, Schweden und in weiteren europäischen Ländern mit Hockey- oder Eiskunstlauftradition, sondern auch in wärmeren Regionen wie Spanien oder auch im schwarzen Afrika, z. B. in der Elfenbeinküste. Durch die Weiterentwicklung von witterungsunabhängigem synthetischen Eis wird dieser Trend noch verstärkt. Außerdem schießen in der gesamten Welt die sogenannten Skihallen wie Pilze aus dem Boden (im Jahr 2007 gibt es rund 150 solcher Hallen), darin kann sowohl einfaches Skilaufen als auch Eishockey, Eislaufen, ja selbst Rodeln das ganze Jahr über betrieben werden.


Regeln und Wettkämpfe

Die ersten internationalen Eiskunstlaufwettkämpfe fanden im Jahr 1882 in Wien statt, nach der Wettkampfordnung, dem sog. Regulativ. Es wurde aus dem Lehrbuch der Schüler von Jackson Haines – Dr. Körper, Wirth und Diamantidi „Spuren auf dem Eise“ abgeleitet, das im Jahr 1881 herausgegeben worden war.
Dieses Regulativ übernahm später auch die Internationale Eislaufunion (ISU), und so sind die Regeln entstanden, die im Grunde bis heute gelten. Zu deutlicheren Veränderungen kam es mit der Einführung der Kurzkür und mit der Umstellung des Verhältnisses in der Bewertung von Pflicht- und Kür.
Um die subjektiv bewertete Sportart Eiskunstlaufen transparenter und objektiver zu gestalten, hat die ISU ein neues Wertungssystem entwickelt, das seit der Saison 2004/2005 das “6.0 System” international abgelöst hat. Dem Eiskunstlaufbewertungssystem (engl. ISU Judging System) der internationalen Eislaufunion liegt eine vollkommen neue Berechnung der Wettkampfergebnisse zugrunde. Mit dem Einsatz eines digitalen Videosystems im Wettkampf sind die Preisrichter in die Lage versetzt, Elemente wiederholt zu betrachten und damit objektiver zu bewerten.

  • Bei den ersten Wiener Wettkämpfen wurde der Norweger Axel Paulsen Dritter, der schon damals seinen berühmten Sprung zeigte, der bis heute zum Eiskunstlaufeinmaleins gehört.
  • Die erste Europameisterschaft war schon im Jahre 1891, schon vor der ISU-Gründung, und erster Europameister war der Deutsche Oskar Uhlig.
  • 1896 war in Sankt Petersburg die erste Weltmeisterschaft, die wieder ein Deutscher, diesmal Gilbert Fuchs, gewann. Fünf Jahre später gewann der legendäre Schwede Ulrich Salchow seinen ersten Weltmeistertitel, dem er dann noch 9 weitere folgen ließ. Seinen erstaunlichen Rekord stellte in den Jahren 1927-1936 die genauso legendäre Norwegerin Sonja Henie ein und in den Jahren 1969-1978 auch Irina Rodnina, die ihre ersten vier Titel im Paarlauf mit Alexej Ulanow gewann und die weiteren sechs Titel mit ihrem ehemaligen Ehemann Alexander Saizew.
  • Die Damen begannen um den Titel der Weltmeisterin im Jahr 1908 in Davos zu kämpfen, aber um den Titel der Europameisterin erst im Jahr 1930 in Wien, wo auch die Premiere der Europameisterschaften für den Paarlauf stattfand. Erste Europameisterin bei den Damen wurde die Österreicherin Fritzi Burger. Auch die Paare konkurrierten um Weltmeistertitel schon früher – seit dem Jahre 1908.
  • Eistanz erschien in der Wettlaufordnung erst im Jahr 1952 bei den Weltmeisterschaften in Paris und zwei Jahre später auch bei Europameisterschaften in Bozen. Seit 1976 ist Eistanz auch eine olympische Disziplin.
  • Die jüngste Eiskunstlaufdisziplin ist das Precision Skating, auch Synchroneiskunstlauf genannt, es ist ein Gruppen-Eislauf mit anfänglich 12 bis 24 Teilnehmern, die ihre Eistanzfiguren rhythmisch nach Musik absolvieren. 1998 wurde die Anzahl der Läufer pro Formation auf 20 begrenzt. Die Formationen werden entsprechend ihrem Leistungsstand in Klassen eingeteilt. – Die Läufer heißen auf Englisch “iceskateers”. Wie beim Eistanzen dürfen nur Figuren in verschiedener Zusammenstellung vorgetragen werden, weder Sprünge noch Pirouetten o.dgl. sind erlaubt. Wegen der geringen individuellen Bewegungsfreiheit und aus Sicherheitsgründen sind Beschränkungen bei den Figuren beschlossen worden. Die ISU organisiert seit 2000 Weltmeisterschaften; ab 2001 wurden auch Solosprünge zugelassen, die jedoch sehr gut mit dem Vortrag der übrigen Mannschafts-Teilnehmer korrespondieren müssen. Ein Wettkampf besteht aus der Kurzkür und (an einem anderen Tag) der freien Kür. Von einer Jury werden Technik, Symmetrie und Präzision bewertet.


Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen

siehe: Eiskunstlauf bei den Olympischen Spielen - Liste der Olympiasieger im Eiskunstlauf

  • 1908 der erste olympische Eiskunstlaufwettbewerb in London. In der Wettlaufordnung waren vier Disziplinen (Damen- und Männereinzel, Paarlauf, Spezialfiguren) Der Wettkampf in Spezialfiguren wurde dann nie mehr durchgeführt. Ulrich Salchow war 1908 in London der erste Olympiasieger.
  • 1920 der zweite olympische Eiskunstlaufwettbewerb war in Antwerpen, sechs Jahre nach der letzten Weltmeisterschaft (1914). Insgesamt sind in Antwerpen 9 Herren, 6 Damen und 8 Paare aus sechs Ländern gestartet.
  • 1924 die ersten Olympische Winterspiele in Chamonix. Es sind 29 Teilnehmer (16 Herren und 13 Damen) aus elf Ländern gestartet.
  • 1976 Olympische Winterspiele: In Innsbruck haben schon 105 Starter (52 Herren und 53 Damen) aus 18 Ländern teilgenommen.


Frauen und Eiskunstlauf

Eiskunstlauf als Sportart war den Frauen lange aus verschiedenen Gründen fast untersagt. Unter anderem wurden medizinische und soziale Gründe angeführt.

Mit der Aufnahme der Damenwettbewerben stand aber zu befürchten, dass die Sympathie der Kampfrichter für holde Weiblichkeit auf ihre objektiven Ansichten schlechten Einfluss haben würde. Man schlug sogar vor, in den Regeln festzulegen, dass die Kampfrichter bei Frauenwettbewerben verpflichtend eine blaue Brille zu tragen hätten. Mann muss aber gleich sagen, dass die Frauen sich schließlich auch beim Sporttreiben an die viktorianische Kleiderordnung hielten und in schweren Wollkleidern und Unterröcken antreten mussten, die die Bewegungen massiv erschwerten.


Florence Madeline Syers bekannt als „Madge“ Syers, war die erste Frau, die sich aufgrund ungenauer Formulierungen bei der - eigentlich nur für Männer vorgesehenen - ersten Eiskunstlaufweltmeisterschaft 1902 ihr Startrecht erkämpfte. Äußerst souverän belegte sie dann noch den zweiten Platz.
Madge Syers und der britische Verband National Skating Association haben herausgefunden, dass die ISU-Wettkampfsordnung nirgendwo festgestellt hat, dass die Frauen nicht an einem Wettkampf teilnehmen könnten. Die NSA kämpfte vehement um das Startrecht ihrer Sportlerin – vielleicht nur, weil ihr Ehemann Edgar Syers, mit dem sie auch an Paarlaufkonkurrenzen teilnahm, Generalsekretär des Verbandes war.
So endete die Teilnahme der einzigen Frau sensationell. Syers wurde hinter dem Schweden Ulrich Salchow Zweite und hätte womöglich sogar den Sieg verdient. Dies fand nicht nur das Publikum und einige Experten, sondern auch der Gewinner. Empört darüber, dass seine Konkurrentin keinen Preis bekam, überreichte er ihr sehr demonstrativ seine Trophäe.
Ein Jahr nach dem Gewinn des Vizeweltmeistertitels trat sie noch einmal gegen ausschließlich männliche Konkurrenz an und wurde erste britische Meisterin im Herreneiskunstlauf.
Weitere Chancen, die Männer zu schlagen, bekam sie jedoch nicht mehr. Bei den Europameisterschaften in Davos 1904 konnte sie aufgrund einer Verletzung nicht zur Kür antreten. Die Internationale Eislaufunion änderte rasch die Regeln und ab 1906 wurden eigenständige Damenwettbewerbe veranstaltet. Zweimal hintereinander wurde Madge Syers Weltmeisterin. 1908 errang sie in London auch den Titel der Olympiasiegerin.

Eine weitere Bahnbrecherin wuchs in Russland auf. Panins Schülerin Xena Cezar begann mit dem Eiskunstlauf schon am Gymnasium. Die Tochter eines Musiklehrers, selbst eine ausgezeichnete Pianistin, übertrug ihre Kunst und ihr künstlerisches Gefühl auf das Eis. Sie war die erste russische Frau, die sich bei der Nationalmeisterschaft für den Herrenwettbewerb angemeldet hat. Zwischen den fünf teilnehmenden Männern besetzte sie den dritten Platz. Auf Protest der „verschnupften“ Herren wurde ein weiterer ähnlicher Wettbewerb nicht mehr veranstaltet.

Sonja Henie, die norwegische Meisterin und fraglose Diva des Eiskunstlaufes zwischen 1924 und 1936, stellte bei den Olympischen Winterspielen in Chamonix 1924 eine große Neuheit vor, den bis zu den Knien kurzen Rock.
Von da an wurde sie von anderen Eiskunstläuferinnen nachgeahmt, die anfingen, kurze Röcke, die ihre Bewegungen nicht behinderten, zu tragen.

Das Schicksal einer der weiteren Eiskunstläuferinnen, Tenley Albright, ist ganz außergewöhnlich. Als kleines Mädchen bekam sie nicht-paralytische Kinderlähmung. Sie wollte laufen, aber vor allem wollte sie Eiskunstläuferin werden. Es dauerte noch lange, bis sie ihre ersten Schritte machen konnte. Als 11-Jährige konnte sie mit dem Eiskunstlaufen beginnen – sie war wieder gesund. Nach acht Jahren harter Arbeit wurde sie amerikanische Meisterin, dann noch 2-fache Weltmeisterin, und 1956 gewann sie die Goldmedaille bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d’Ampezzo.

Die holländische Eiskunstläuferin Sjoukie Dijkstra widmete viel Zeit der athletischen Vorbereitung, daher wurde auch ihr Lauf voll Kraft und Energie. Dijkstra verkörperte überhaupt nicht die Vorstellung eines zarten und schlanken Mädchens, das über dem Eis wie eine Fee schwebt. Im Gegenteil, mit ihrer Gestalt wirkte sie vielmehr als Ringkämpferin. Ungeachtet dieses Gewichtshandicaps war sie eine Hochsprungmeisterin. In ihrer athletischen Vorbereitung setzte sie neben dem Lauf auch auf den Hochsprung, und in dieser Disziplin war sie auch die niederländische Rekordfrau. Aber nicht nur das, sie war auch eine gute Judoka. Ihre Eiskunstlaufkarriere begann sie als 18-Jährige mit dem Europameistertitel 1962, den sie in den folgenden Jahren noch dreimal verteidigte. Bei den Olympischen Winterspielen in Squaw Valley 1960 endete sie als Zweite. Es wäre kein großes Problem, die besten Trainer um Hilfe zu bitten. Es tauchte aber finanzielles Hindernis auf: Sjoukie suchte sich den amerikanischen Trainer Arnold Gerschwiller aus, hatte aber nicht genug Geld, um ihn zu bezahlen. Schließlich halfen ihr Freunde aus verschiedenen Sportarten – aus dem Eiskunstlauf, der Leichtathletik und auch aus dem Judo. Bei den Olympischen Winterspielen in Innsbruck 1964 gewann sie die Goldmedaille.


Ausrüstung

Hauptartikel: Geschichte des Schlittschuhes


Kufen

Eiskunstlaufkufen, aus hartem Stahl gefertigt, sind 3 bis 4 Millimeter breit. Sie haben eine sehr geringfügige Konkavkurve, die die Ausführung von Drehungen und komplizierten Elementen ermöglicht. Die Nut im Blatt, genannt Hohlschliff, hat auf jeder Seite fein geschliffene Kanten (die Innenkante und Außenkante), die dem Eisläufer Steuerung und Beschleunigung ermöglichen. Zähne an der Frontseite des Blattes, genannt Bezahnung, werden zum Absprung und als Zirkelpunkt für Pirouetten benutzt. Kufen haben unterschiedliche Fersenhöhen. Eistänzer tragen häufig eine hohe Ferse, die das Körpergewicht nach vorn an die Fersenballen drückt, damit gewinnt man eine bessere Steuerung bei Richtungsänderungen und schnellen Schritten.


Schuhe

Nach Maß für jeden Fuß gefertigte und stark versteifte bis zu den Waden hochgeschlossene Schnürstiefel, mit dickem, steifen Lederinneren und mit zusätzlicher Knöchelstütze. Breite lederne Zungen mit Polsterung erlauben Flexibilität innerhalb des Schuhes.


Kostüme

Die Garderobe der Eiskunstläufer und Eistänzer wird durch den Charakter des Programms und die Musikwahl bestimmt. Ihre Kostüme sollten die Leistung krönen aber nicht zu Ablenkung werden.
Bei der Kür sollten die Damen einen Rock und Männer eine lange Hose tragen. Hosen sind bei den Damen erst seit der Saison 2004/2005 zugelassen. Modeartikel und Stützen sind jedoch nicht erlaubt.Meistens passen die Kostüme der Frauen zu denen der Männer.


Geschichte der Kostümentwicklung

In der Geschichte des Eislaufs hat sich seit seiner Geburt als Sport in der Mitte des 19. Jh. vieles geändert: die Methode des Beurteilens, die Regeln, die Organisation, der Wettbewerbaufbau, die Techniken, die Materialien und die Kostüme.

Aber es gibt einen Aspekt, der im Laufe der Zeit derselbe geblieben ist: die Kostüme sind immer der Mode, den Mustern, Materialien und Farben der Zeit gefolgt. Als Eiskunstlauf als ein Sport im modernen Sinne entstanden ist, existierten Kostüme als solche nicht: die Eiskunstläufer trugen ihre tägliche Kleidung: Männer wurden in Hose und Jacke gekleidet und die Frauen trugen lange Röcke bis zu den Knöcheln. Gilbert Fuchs, der erste Weltmeister, führte Leggins ein, die heute für Herren nicht mehr erlaubt sind. Es war Sonja Henie, die norwegische Meisterin, die zehn Weltmeistertitel und drei olympische Titel gewann und fragelos die Diva des Eiskunstlaufs zwischen 1924 und 1936 war, die die größte Neuheit, den kurzen Rock auf der Eisbahn bei den Olympischen Spielen von 1924 vorstellte.

Von da an wurde sie von anderen Eiskunstläuferinnen nachgeahmt, die anfingen, kurze Röcke und anschmiegsamere Kostüme zu tragen, die ihre Bewegungen nicht behinderten, wenn sie schwierige Figuren ausführten. Die Entwicklung des Eiskunstlaufens in den folgenden Dekaden fügte größere technische Schwierigkeiten hinzu: einfache Sprünge wurden zu zwei- und dreifachen, und es gab eine größere Verfeinerung in der Auffassung der Programme, die jetzt reale Geschichten erzählten. Diese Entwicklung beeinflusste auch die Kostüme, sie wurden zu einem Bestandteil des Wettbewerbes, eins der Hauptelemente der künstlerischen Programmgestaltung zusammen mit der Musik und dem gewählten Thema.

  • In den 1970er und 1980er Jahren waren kurze Röcke und Hose mit Schlag modern. Die Kostüme hatten nüchterne Farben ohne Farbtöne und ohne bestimmte Muster.
  • In den 1980er und 1990er Jahren anderseits wurden die Kostüme mit Flitter besetzt. Populär waren helle und warme Farben, die Muster wurden deutlicher. Hosen waren gerade geschnitten und die Röcke waren vorne kürzer und an der Rückseite länger.

Schmucksachen anstatt Flitter, längere Röcke, schwindelerregende Dekolletees. Der Gebrauch von Falsch-Nacktheits-Stoffen ist immer noch sehr verbreitet. Schmucksachen werden sogar von den Männern benutzt und ihre Hemden sind geöffnet. Heutzutage gibt es die Tendenz, die Athleten auch durch ihre Kostüme so sinnlich wie möglich darzustellen. Aber die Hauptsache ist, das Thema des Programms aufzufangen und zum Leben zu bringen, nicht nur durch die Musik und durch das Tanzen, aber auch durch die Kostüme. Die Athleten werden zur Hauptfigur und ihr Eindruck wird in jedermanns Gedächtnis eingeprägt.

Kostüme waren auf jeden Fall im Eiskunstlauf sehr wichtig. Er ist nicht nur ein Sport, sondern auch eine Kunst. Die Kleidung ist das erste, was der Zuschauer wahrnimmt und was ihm im Gedächtnis bleibt.


Technologie

Vom Gesichtspunkt der Technikentwicklung ist Eiskunstlauf vermutlich die konservativste Eisdisziplin.
Vorschuhe und Polsterung der Schlittschuhe sind stets aus Naturleder gefertigt, mit Versteifungen in den am meisten vom Druck betroffenen Fußbereichen.
Das Ziel ist die Gewährleistung des bestmöglichen Gefühls, und es ist kein Zufall, dass während der letzten Jahre Innensohlen aus wärmeverteilenden Materialien verwendet worden sind, die sich den Füßen ganz anpassen können. Die äußeren Sohlen sind normalerweise aus mehrschichtigem Leder.


Elemente

Hauptartikel: Eiskunstlaufelemente

Wie schon oben genannt wurde, ist Eiskunstlauf die kunstvolle Ausführung von Sprüngen, Pirouetten und Schritten.

Zu den Sprüngen zählen der Dreiersprung, Salchow, Toeloop, Rittberger, Flip, Lutz und Axel, die einfach, doppelt, dreifach und teilweise sogar vierfach gesprungen werden, sowie die so genannten Verbindungssprünge Spreizsprung, Euler, Oppera Walley und Jet Button.

Weitere bekannte Figuren im Einzel- und Paarlaufen sind die Biellmann-Pirouette, die Todesspirale und die geworfenen Sprünge, die man auch doppelt, dreifach, oder vierfach springen kann.


Lehrbücher und Methodiken

  • Das erste Eislaufhandbuch erschien 1772 in London. Der Leutnant Robert Jones von der Royal Artillery beschrieb in seiner „A treatise on skating“ (Abhandlung über das Eislaufen) verschiedene Figuren wie Kreise und Achten und gibt eine Anleitung, wie man eine Wende von der Außenkante auf die Innenkante und andersherum machen soll. Das hing mit einem neuen Schlittschuhtyp zusammen, der einen Lauf vorwärts, rückwärts auf der Außen- oder Innenkante ermöglichte. Das Handbuch ist nur für Männer bestimmt, denn Frauen sah man auf dem Eis nur selten. Frauen war es damals schlichtweg verboten, zum Spaß Eis zu glitschen, was Jones nicht nachvollziehen konnte, er sah gar keinen Grund, warum die Frauen von diesem Vergnügen ausgeschlossen werden sollten.
  • Ein weiteres Eislaufhandbuch wurde 1790 unter dem Titel „Über das Schlittschuhlaufen“ in Leipzig herausgegeben.
  • Auf verschiedene Richtungen der Eislaufentwicklung deutet auch das Buch des Franzosen Jean Garcin hin, das 1813 unter dem Namen „Ein echter Schlittschuhläufer“ („Le vrai patineur ou les principes sur l’art de patiner avec grâce“), herausgegeben wurde. Manche Zeitgenossen sagten, er sei ein besserer Schlittschuhläufer als Schriftsteller gewesen. Seine Figuren hatten Namen aus der antiken Mythologie. Zum Beispiel: bei einer Figur namens „Die schöne Narzisse“ sollte man einen seligen Gesichtsausdruck zeigen und bei dem einwärts-rückwärts Halbkreis ohne den Fußwechsel, mit einem anderen Ausdruck den Laufrichtungswechsel andeuten. Anderseits hatte er recht moderne Ansichten: Er warf den Schlittschuhläufern einen Eleganzmangel vor und legte einen großen Wert auf die ästhetische Seite der Figurendurchführung.
  • Das erste systematische Lehrbuch wurde 1881 in Wien unter dem Titel „Spuren auf dem Eise“ herausgegeben. Ihr Autoren waren Haines Schüler – Dr. Körper, Wirth und Diamantidi. Aus diesem Lehrbuch wurde die erste Wettkampfordnung abgeleitet, der sog. Regulativ, die dann später die ISU übernahm, und so sind die Regeln entstanden, die mit zahlreichen Änderungen bis heute gelten.

Während für Einzellauf viele Lehrbücher geschrieben wurden, wurde der Paarlauf ganz vernachlässigt. Geringere Erwähnungen in herkömmlichen Handbüchern kann man nicht einmal als oberflächliche Anleitung betrachten, umso weniger als ein System. Eine einzige Ausnahme ist das amerikanische Handbuch des englischstämmigen Trainerpaar Dench-Stewart „Pair skating and Dancing on Ice“ aus dem Jahr 1943, das eine wirkliche Paarlaufmethodik ist, nicht aber Methodik für Eistanz in heutigem Wettkampfsinne.


Siehe auch

  • Liste bekannter Eiskunstläufer und Eiskunstläuferinnen sowie Trainer
  • Liste der Olympiasieger im Eiskunstlauf
  • Eiskunstlaufweltmeisterschaften listet alle Medaillengewinner bei Weltmeisterschaften im Eiskunstlaufen
  • Eiskunstlaufeuropameisterschaften listet alle Medaillengewinner bei Europameisterschaften im Eiskunstlaufen
  • Eiskunstlaufelemente
  • Synchroneiskunstlauf
  • Sprünge im Eiskunstlauf
  • Grand Prix Finale
  • Skate America
  • Skate Canada
  • Cup of China
  • Trophée Eric Bompard
  • NHK Trophy
  • Cup of Russia


Weblinks

Herren

Damen

Sportpaare

Feingehaltstempel

Ein Feingehaltstempel dient der Angabe des Feingehalts in Tausendteilen bei der Herstellung von Schmuck und Gerät. Zwei Hauptformen sind gebräuchlich: die gerade Form sowie die Knieform. Letztere dient der inneren Stempelung von Ringschienen.


Allgemeines

Die Verwendung der Feingehaltstempel ist nicht den Schmuckherstellern und Goldschmieden vorbehalten. Vielmehr kann in Deutschland jeder Schmuck und Gerät mit einer Feingehaltzahl versehen. Gesetzlich ist eine Feingehaltangabe nicht vorgeschrieben. Wenn sie jedoch erfolgt, so muss sie nach Maßgabe des Gesetzes über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren erfolgen. Danach darf nur goldenes und silbernes Gerät zusätzlich mit dem Sonnenzeichen beziehungsweise mit dem Halbmond sowie der Reichskrone und dem Firmenzeichen versehen sein. Goldenes Gerät muss dabei einen Mindestfeingehalt von 585 Tausendteilen und silbernes Gerät einen Mindestfeingehalt von 800 Tausendteilen aufweisen. Uhrgehäuse und Schmuck dürfen nur mit dem Feingehalt in Tausendteilen versehen sein. Hier scheint der Gesetzgeber abweichende Praktiken zu dulden, da seit Jahrzehnten Schmucksachen von den Herstellern auch mit Meister/Firmenzeichen und den chemischen Kurzzeichen (Au, Pt, Pd usw.) versehen werden. Darüber hinaus gibt es in Deutschland keine gesetzlichen Regelungen bezüglich der Stempelung von Platin- oder Palladiumschmuck.


Herstellung

Die Feingehaltstempel sind aus Werkzeugstahl gefertigt. Während die Gravur der dreistelligen Zahl früher in der Regel von Stahlgraveuren ausgeführt wurde, werden heutige Feingehaltstempel maschinell (Fräsen, Lasern, Matrizen oder per EDM) gerfertigt. Lediglich bei individuellen Formen wie Meisterzeichen, Firmennamen und Firmensymbolen ist die hohe Qualität der Stahlgraveure nach wie vor gefragt.
Darüber hinaus wurden und werden vorwiegend einfache Symbole von den Goldschmieden selbst angefertigt.
Die Schrifthöhe variiert zwischen 0,5 Millimetern bis hin zu mehreren Millimetern.


Handhabung

Die Handhabung ist einfach: der Feingehaltstempel wird auf die gewünschte Stelle des zu punzierenden Stückes aufgesetzt und mit einem Hammerschlag auf dessen Ende überträgt sich die Feingehaltzahl in das Material. Die Eindringtiefe ist dabei von der eigentlichen Form, der aufgewandten Energie, dem zu stempelnden Material sowie der verwandten Unterlage (Stahl, Holz) abhängig.

Darüber hinaus werden bei sehr weichen Legierungen oder empfindlichen Formen die Stempel in der Praxis auch von Hand in die Werkstückoberflächen eingedrückt.


Entwicklung

Aus diesen einfachen Formen wurden Stempelzangen und mechanisch-hydraulische Stempelmaschinen entwickelt, mit denen sich mittels unterschiedlicher (Stempel-) Einsätze verschiedene Feingehalte und (Firmen-)Symbole stempeln lassen.


Siehe auch

  • Feingehalt
  • Punze (Werkzeug)
  • Schlagstempel


Weblinks

Gesetz über den Feingehalt der Gold- und Silberwaren

Elfenbeinschnitzerei

Als Elfenbeinschnitzerei bezeichnet man die Kunst, in Elfenbein Ornamente und Figuren zu schneiden.


Geschichte


Steinzeit

Die Elfenbeinschnitzerei geht in sehr frühe Zeiten zurück. Berühmt sind die 11 Tierfigürchen aus Mammutelfenbein aus den Vogelherdhöhlen, die mit einem Alter 32.000 Jahren als mit die ältesten menschlichen Kunstwerke überhaupt gelten Vogelherdhöhle. Als schönste Stücke dieses Fundes gelten ein 4,8 cm großes Pferdchen Wildpferd und ein 5 cm großer Mammut, daneben fand man Rentier, Bär, Höhlenlöwe, ein Bison und eine Figur die einen Menschen darstellen könnte Löwenmensch. Als älteste figürliche Darstellung eines Mischwesens mit 32.000 Jahren vor heute gilt der Löwenmensch, ebenfalls eine Mammutelfenbeinfigur, die im Hohlenstein-Stadel, einer Höhle im Lonetal, gefunden wurde. Man findet Elfenbeinarbeiten bereits in Form von Steinwerkzeugen des Jungpaläolithikum, vor allem Speerspitzen, Nadeln und Keile aus Zeiten vor 40.000 bis 30.000 Jahren, aber auch auf Mammutzähne geritzte Zeichnungen von Rentieren, die in Höhlen Frankreichs gefunden worden sind. Auch die Pfahlbauten rund um die Alpen haben Elfenbeinschnitzereien geliefert.


Altägypten

Sicher datierbare Stücke sind zunächst aus dem alten Ägypten bekannt: allerlei Geräte, Griffe, kleine Büchsen, Nadeln und Toilettengegenstände, mit Flachrelief verzierte Platten zur Bekleidung von Gegenständen, auch kleine Statuetten, deren eine ins 11. Jahrhundert v. Chr. hinaufreicht, und anderes. Auch assyrische Elfenbeinschnitzereien kommen vor.


Bibel

Im Alten Testament wird die Verwendung von Elfenbein öfters erwähnt; hier haben wir an eine Verkleidung eines meistens hölzernen Kerns mit Elfenbeinplatten zu denken. Das berühmteste Werk hebräischer Elfenbeinschnitzerei war der Thron des Salomo (1. Könige 10, 18).


antikes Griechenland

Die Griechen kannten das Elfenbein lange, bevor sie mit dem Elefanten bekannt wurden; Homer erwähnt seine Verwendung zum Schmuck verschiedener Gegenstände häufiger, sowohl als glänzend weißes Material wie auch gefärbt. Am Kasten des Kypselos (also in historischer Zeit) finden wir gleichfalls Elfenbein, wie es denn früh speziell für Verzierung der Götterbilder besonders Verwendung fand. Aus den Fürstengräbern der Hallstattzeit sind aus Südwestdeutschland importierte griechische Klinen mit Elfenbeinintarsien bekannt (z. B. Grafenbühl bei Asperg).

Am bekanntesten ist die Verwendung des Elfenbeins in der so genannten chryselephantinen Technik, d. h. es wurden Götterbilder, meistens kolossale, aus Gold und Elfenbein hergestellt derart, dass die nackten Fleischteile aus Elfenbein, die Gewandung etc. aus Gold verfertigt und auf einem hölzernen Kern befestigt waren (siehe Goldelfenbeinkunst).


Römisches Reich

Bei den Römern finden wir Elfenbeinschnitzerei früh erwähnt; der kurulische Sessel war aus Elfenbein, ferner der Stab der Könige u. a. Mit dem zunehmenden Luxus, der Ausdehnung des römischen Reichs und der reicheren Zufuhr von Elfenbein (man kannte übrigens auch schon fossiles; Plinius der Ältere, 36, 29) nahm auch die Elfenbeinschnitzerei an Ausdehnung zu. Musikinstrumente wie Flöten, Leiern etc. von Elfenbein waren etwas Gewöhnliches und vielfach noch mit Edelsteinen geziert. Die Furnierung von Möbeln, Schmucksachen mit Elfenbein war allgemein; auch schnitzte man Tischfüße und Verwandtes aus dem vollen Material, fertigte Bettstellen daraus. Neben Götterfiguren schnitzte man Reliefs und ganze Reiterstatuen von Feldherren oder Kaisern in Elfenbein.

In der Kaiserzeit findet die Elfenbeinschnitzerei besondere Verwendung zum Schmuck der Diptychen, welche die Konsuln beim Antritt des Amtes als besondere Auszeichnung zu verschenken pflegten. Diese aus zwei Platten bestehenden, durch ein Scharnier zum Aufklappen eingerichteten Schreibtafeln sind an den Außenseiten gewöhnlich mit dem Bildnis des betreffenden Konsuls in irgend einer amtlichen Handlung in Elfenbeinschnitzerei geschmückt.


frühchristliche Zeit

Die frühchristliche Kunst brachte die Elfenbeinschnitzerei zu hoher Vollendung; sie arbeitete durchaus in den Traditionen der altklassischen Kunst, ohne selbst neue Formen der Darstellung zu erfinden. Man schmückte die heiligen Geräte wie Hostienbüchsen, kleine Klappaltäre, Einbände für die heiligen Schriften etc. mit Elfenbeinschnitzerein.

Die Elfenbeinschnitzereien jener Zeit sind heute die wichtigsten, zum Teil einzigen erhaltenen plastischen Denkmäler der frühchristlichen Kunst und daher von größtem Wert.

Im Ravenna, einem Zentrum der byzantinischen Kunst, trieb auch die Elfenbeinschnitzerei ihre schönsten Blüten: der Bischofsstuhl des Maximianus (546-552) im Dom daselbst darf als Meisterwerk dieser Technik gelten.


frühes Mittelalter

Mit dem Vordringen christlicher Kultur über die Alpen gelangte auch die Elfenbeinschnitzerei nach dem Norden, mit ihr der Stil und Geist der ausgehenden klassischen Kunst. Am Hof Karls des Großen blühte die Elfenbeinschnitzerei gleichfalls.

Im 11. und 12. Jahrhundert war die Kunst der Elfenbeinschnitzerei allgemein verbreitet. Kruzifixe, Haus- und Reisealtäre, Statuen, Bischofsstäbe und -ringe, Prachtsättel, Schmuckkästchen und Toilettengerät sind uns vielfach erhalten. Namentlich bei Bucheinbänden pflegte man gern in die Mitte des mit Edelsteinen geschmückten Deckels eine geschnitzte Elfenbeinplatte einzulegen. Die ganzen Elefantenzähne bedeckte man über und über mit Schnitzerei, höhlte sie aus und benutzte sie als Jagd- oder Trinkhörner; hier sind orientalische Vorbilder nicht ohne Einfluss gewesen.


Orient

Die orientalischen Elfenbeinschnitzereien kamen durch die Kreuzfahrer in größeren Mengen nach dem Abendland, sowohl als Kuriositäten wie vor allem als Behälter für Reliquien; letztere meistens in Form rechteckiger Kästchen mit mannigfachem Dekor, häufig mit Goldmalerei oder eingeritzten Ornamenten geziert, die den alten Stoffmustern entlehnt sind; seltener sind diese Kästchen geschnitzt, dann aber von großer Schönheit und Vollendung in der Ausführung. Das Stammland dieser Arbeiten ist das neupersische Reich, wie Ornamente und Darstellungen lehren.

Die Übergangsperiode zeigt die Elfenbeinschnitzerei nicht in dem Umfang wie die romanische
Zeit, doch besitzen wir einige kostbare figürliche Arbeiten dieser Epoche.


ab 14. Jahrhundert

Mächtig war dagegen der Aufschwung der Elfenbeinskulptur im 14. und 15. Jahrhundert. Während man sich früher mit Altärchen für Haus oder Reise begnügt hatte, setzte man jetzt ganze große Altarwerke aus einzelnen Platten, Figuren, Architekturteilen zusammen. In größerem Umfang als bisher aber diente die Elfenbeinschnitzerei jetzt dem Profangebrauch und ward zu Luxusgegenständen, namentlich Schmuckkästchen für Damen und Ähnlichem, verwendet, dem auch die Darstellungen der Reliefs (Liebesszenen, Allegorien) entsprechen. Die Ausführung dieser Arbeiten zeugt von tüchtigem handwerksmäßigem Können. Die Künstler arbeiteten nach einem gewissen Vorrat von Entwürfen, die immer wieder kopiert wurden, so dass gewisse Darstellungen in zahlreichen Wiederholungen auf uns gekommen sind.

Die mittelalterlichen Elfenbeinschnitzereien sind so ziemlich in allen Kulturländern gefertigt worden; namentlich aber verdankt man Frankreich eine große Anzahl der überaus reizvollen Altärchen, die, aus der Spitze des Elefantenzahns geschnitten, in der Mitte eine stehende Madonna, in den zwei der vier Flügeln biblische Darstellungen zeigen. Überhaupt ist die Form des Zahns maßgebend für die Gestaltung der daraus geschnitzten Objekte, da es galt, sowenig wie möglich von dem kostbaren Material wegzuschneiden. Die seitliche Neigung der Madonnenstatuen hat durchaus ihren Grund in der Form des Zahns und ist dann später gewissermaßen in Mode gekommen, so dass diese Stellung auch an Figuren aus anderem Material häufig genug angetroffen wird. Auch Form und Größe der runden Schachteln, der Platten etc. richten sich im früheren Mittelalter nach dem Durchmesser der Zähne; später kommt man dazu, einzelne Teile zu einem Ganzen zusammenzusetzen.


15. Jahrhundert

Gegen Ende des 15. Jahrhundert tritt die Elfenbeinschnitzerei besonders in Venedig hervor, wo in Verbindung mit dem Holz- und Elfenbeinmosaik geschnitzte Platten zu kleinen Kassetten verarbeitet werden. Auch Sättel, Satteltaschen etc. mit durchbrochener Elfenbeinschnitzerei werden hier gefertigt.

Mit der Entdeckung des Seewegs nach Indien und der dadurch vermehrten Zufuhr von Elfenbein beginnt eine neue Epoche in der Geschichte der Elfenbeinschnitzerei. Die Herstellung kirchlicher Geräte tritt gegen die Profanarbeiten zurück.


16. Jahrhundert

Im 16. Jahrhundert kommen die Elfenbeinschnitzereien nur vereinzelt vor, meistens ganz vortreffliche, meisterhafte Arbeiten von höchster Vollendung, namentlich als flache Reliefs für Brettsteine, Schachfiguren, Figuren und Reliefs allerlei Art. Diese Arbeiten werden vielfach mit den Namen großer Künstler verknüpft: Michelangelo, Benvenuto Cellini, Albrecht Dürer u. a. sollen Elfenbeinschnitzereien gefertigt haben.


Die Blüte im 17. Jahrhundert

Die eigentliche Blüte der Elfenbeinschnitzerei fällt in das 17. Jahrhundert. Die Elfenbeinschnitzerei wird Modesache, eine Anzahl Fürsten treten selbst als ausübende Künstler auf diesem Gebiet auf oder ziehen geschickte Drechsler an ihren Hof. Letzterem Umstand verdanken die großen Sammlungen in Dresden, Gotha, Kassel, Schwerin, München u. a. ihre Entstehung.

Als solche die Elfenbeinschnitzerei pflegenden Fürsten sind zu nennen: Kaiser Rudolf II., Ferdinand III., die Kurfürsten Moritz und August I. von Sachsen, Georg Wilhelm von Brandenburg, Maximilian und Ferdinand von Bayern, Johann Wilhelm von der Pfalz, Landgraf Ernst Ludwig von Hessen.

Die Produkte jener Zeit sind überaus mannigfaltig: Tafelaufsätze von mächtiger Größe mit Figuren, Appliken, große Prachtgefäße aller Art, Schiffsmodelle, Reliefs, Figuren etc. Sehr beliebt und in Mengen erhalten sind die Prachtgefäße, die, der Form des Zahns folgend, meistens als zylindrische Humpen geformt sind. Die Darstellungen enthalten durchweg menschliche Figuren in voller Höhe des Gefäßes, wobei die Ähnlichkeit der Struktur und der Transparenz des Elfenbeins mit der menschlichen Haut meistens zur Darstellung nackter Körper benutzt ist; so sind Amazonen und Heroenschlachten, Musendarstellungen und bacchische Szenen besonders beliebt. Diese Elfenbeinschnitzereien, in reich getriebenes und vergoldetes Silber meistens in Augsburg gefasst, dienten lediglich als Ziergeräte. Große Schüsseln mit Kannen, aus Holz oder Horn, mit skulptierten Elfenbeinplatten belegt, in Augsburg verfertigt, dienten namentlich in Jagdschlössern zur Ausschmückung der Büffette. Wohl das künstlerisch bedeutendste Stück jener Zeit ist der Münzschrank der Herzogin Elisabeth von Bayern, von Chr. Angermeier 1618-1624 gefertigt (in München).


18. Jahrhundert

Das 18. Jahrhundert kehrt wiederum zu Gebrauchsgeräten aus Elfenbein zurück: Stockgriffe, Tabaksraspeln und -dosen, Griffe zu Messern und Gabeln bilden gegen die Ziergeräte jetzt die Mehrzahl. Daneben artet die ganze Kunst allerdings zum Teil in Spielereien (Totenköpfe) aus, namentlich nach Erfindung der so genannten Passigdrehbank, die gestattete, die mannigfachsten Schweifungen, ja selbst viereckige Büchsen etc. herzustellen. Diese Drechselkunst hatte ihren Sitz in Nürnberg, wo die Familie Zick eine große Berühmtheit durch ihre Arbeiten errang; einzelne Glieder derselben hielten sich vorübergehend an den Höfen von Prag, Weimar, Halle und Wien auf und verbreiteten so ihre Kunst. Peter Zick, der Begründer der Familie, starb 1632. Sein Sohn Lorenz galt als der Geschickteste in seiner Kunst. Besonders berühmt waren seine “Conterfaitbüchsen”, hohle, geschlossene Gefäße mit Inhalt, alles aus einem Stück Elfenbein gedreht und geschnitten. Er starb 1666. Stephan Zick (gest. 1715) verfertigte namentlich “Dreifaltigkeitsringe”, Kunstaugen und Kunstohren, d. h. anatomisch zusammengesetzte, zerlegbare Augen und Ohren.


weitere berühmte Elfenbeinkünstler

Außer den eben genannten Elfenbeinschnitzereien mögen hier noch angeführt werden: Egidius Lobenigke in Dresden (16. Jahrhundert), Melchior Barthel daselbst (1625-72), Balthasar Permoser in Florenz, Berlin und Dresden (1651-1732). Ein Spezialist war Simon Troger (gest. 1769) in München, von dem die bekannten Bettlerfiguren, aber auch andre Arbeiten aus Holz und Elfenbein stammen, die in den deutschen Sammlungen nicht selten sind; ferner Leo Pronner in Nürnberg, der Kuriositäten aller Art schnitt (17. Jahrhundert).

Mit dem Rokoko ging auch die Kunst der Elfenbeinschnitzerei zu Grunde, zumal das Interesse daran erlosch. Im ersten Drittel dieses Jahrhunderts lebte in Meiningen Leberecht Wilhelm Schulze, der durch mannigfache gute Arbeiten, Kirchengeräte sowohl als Gefäße und Schnitzereien zu profanem Gebrauch, sich bekannt gemacht hat.


Elfenbeinkunst in Deutschland

Zentrum der Elfenbeinkunst in Deutschland ist bzw. war Erbach im Odenwald, wo auch die Schnitzkunst im Deutschen Elfenbeinmuseum Erbach umfangreich präsentiert wird.


Einzelnachweise


Literatur

Eva Halat: Modernes Scrimshaw. Geschichte, Anleitung, Galerie. Verlag Angelika Hörnig, 2003.ISBN 3980874311.


Weblinks

  • Die ältesten bisher gefundenen menschlichen Kunstwerke: 11 Tierfigürchen aus Mammutelfenbein 32.000 Jahre alt
  • Die älteste bisher gefundene Darstellung eines Mischwesens von Mensch und Tier: der Löwenmensch

Charlotte von Hessen-Kassel

Charlotte von Hessen-Kassel, Kurfürstin von der Pfalz, (* 20. November 1627 in Kassel; † 16. März 1686 in Heidelberg) war die Gemahlin des Kurfürsten Karl Ludwig und Mutter der Liselotte von der Pfalz.

Ihre Eltern waren Wilhelm V. von Hessen-Kassel und Amalie Elisabeth von Hanau-Münzenberg.


Leben

Charlotte von Hessen-Kassel führte eine unglückliche Ehe mit Karl Ludwig, die dazu führte, dass die gemeinsame Tochter Liselotte zu ihrer Tante Sophie von der Pfalz nach Hannover geschickt wurde und dass sich Karl Ludwig eine Geliebte, Luise von Degenfeld, nahm.

Wegen dieser Verbindung kam es zum Eklat, der dazu führte, dass sich Karl Ludwig wegen ihren “ungehorsamen, halsstarrigen, verdrießlichen und widerspenstigen” Verhaltens scheiden ließ und Luise von Degenfeld heiratete.


Persönlichkeit

Charlotte von Hessen-Kassel galt als unerträglich launisch. Sophie von der Pfalz schreibt im Jahr 1686 über die Vorbereitungen zu Charlottens Beerdigung:

Das war das einzige Mal, daß man sie ankleidete, ohne daß sie die Leute angefahren oder geschlagen hätte.

Sophie erzählt in ihren Memoiren anschaulich von den Auseinandersetzungen am kurfürstlichen Hof:

Denn, indem sie das Kabinett der Degenfeld durchstöberte, fand sie nicht nur alle die Liebesbriefchen des Kurfürsten, sondern auch all die Schmucksachen, die er ihr geschenkt hatte. Das versetzte sie in eine Wut und sie ließ mich und meine Schwester rufen. Die Degenfeld hatte ihrerseits den Kurfürsten benachrichtigen lassen, und als wir eintrafen, erblickten wir einen ganz außergewöhnlichen Auftritt. Der Kurfürst stand vor seiner Geliebten, um die Schläge abzuwehren, die sie von seiner Gemahlin hätte bekommen können, die Kurfürstin ging im Zimmer hin und her und hatte alle Schmucksachen der Degenfeld in den Händen. Voll Zorn kam sie auf uns zu und schrie: Prinzessinnen, schaut her, das alles ist der Lohn der Hure, das alles ist nicht für mich bestimmt. Als der Kurfürst ihr sagte, sie solle die Juwelen derjenigen, der sie gehörten, zurückgeben, warf sie alles durchs Zimmer und kreischte: Wenn sie mir nicht gehören sollen, nun dann sind sie da, und da, und hier!

Zitiert nach W. von Moers-Messmer: Heidelberg und seine Kurfürsten.